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assia djebar rede: unten
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texte und ausschnitten aus dem internet entnommenen texte und fotos ©ap

Assia Djebar,
Die Stimmen im Frauenbad
Von Judith von Sternburg

"Sie verschleiert sich also noch nicht, deine Tochter?" fragt die eine oder andere Matrone (. . .) "Sie liest!" antwortet meine Mutter schroff. (Assia Djebar, Fantasia)

Die dazwischen hängen, sind seit jeher besonders produktiv gewesen. Sie haben den schärferen Blick auf die Dinge und gelegentlich auch schlankweg mehr zu erzählen. Diesmal: eine Moslemin, die sich Freiheiten nimmt, eine Algerierin, die französisch schreibt, eine Pariserin, die zur französischen Gesellschaft auf Distanz hält.

Assia Djebar hängt auch deshalb dazwischen, weil sie als Mädchen aus dem algerischen Bürgertum denkbar schlechte Voraussetzungen für ihren späteren Lebensweg hatte. Djebar, die über Verliererinnen schreibt, ist selbst eine Gewinnerin. Das Schicksal der "eingesperrten Frauen", das sie in ihren Romanen schildert - und "eingesperrt" ist keineswegs metaphorisch zu verstehen -, hat sie, 1936 geboren, nur am Rande erlebt. Bis sie zehn Jahre alt ist, lebt sie unter Frauen im Haus. Dann bringt ihr Vater, Lehrer in der algerischen Kleinstadt Cherchell, sie in einer französischen Schule unter. So beginnt der Roman Fantasia (1985), und die Leserin begreift da noch gar nicht, was und vor allem wieviel das bedeutet. "Ein kleines arabisches Mädchen geht zum ersten Mal zur Schule, an einem Herbstmorgen, an der Hand ihres Vaters. Er, den Fez auf dem Kopf, eine große, aufrechte Gestalt in einem Anzug nach europäischem Schnitt, trägt eine Schulmappe. (. . .) Vom ersten Tag an, an dem ein kleines Mädchen ,hinausgeht', um das Alphabet zu lernen, nehmen die Nachbarn einen vielsagenden Blick an und bemitleiden zehn oder fünfzehn Jahre im voraus den verwegenen Vater, den nachsichtigen Bruder."

Immer die erste

Wer schreibt, so Djebar, schreibt irgendwann den ersten Liebesbrief. Wer schreibt, wird frei, ein Stückchen. "Als junges Mädchen sagte ich mir immer wieder, dass mein Vater mich aus dem Harem befreit hatte. Später bin ich so oft wie nur möglich im Freien herumvagabundiert, jeden Tag, in jeder Stadt, in der ich mich gerade befand." (Die Schattenkönigin, 1987). Sie ist die erste Moslemin an der Schule, ein Zustand, an den sich Assia Djebar, die damals noch Fatima-Zohra Imalaycne heißt, gewöhnen wird. Elf Jahre später ist sie die erste Algerierin, die auf die École Normale Supérieure in Paris aufgenommen wird. Sieben Jahre später ist sie eine der ersten algerischen Lehrenden an der Universität von Algier.

Die Taeter gut rasiert

Djebars Bücher sind sorgsam zusammengesteckte Stimmen-Mosaike. Immer aber sind es die Stimmen von Frauen, der frühen Mosleminnen um den Propheten Mohammed (in Fern von Medina, 1991), der Widerstandskämpferinnen des Algerienkrieges (Fantasia), der Intellektuellen und der Stummen (Die Schattenkönigin), der jungen Träumerin (Die Ungeduldigen, 1958). Und immer steht am Ende die Gewalt von Menschen gegen Menschen im Mittelpunkt. Allerdings sind es nicht die Täter, die Djebar interessieren - "Sie haben sich heute morgen rasiert. Sie werden sich buergerlich kleiden, wie Buergersoehnchen. Sie sind jung; sie finden sich schön" -, sondern alleine die Opfer.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Algerien/djebar.html

*Schreiben als Entschleierung
Die algerische Schriftstellerin Assia Djebar
Die Literatur anderer Länder, insbesondere die anderer Kulturen, nehmen wir nur selten richtig wahr. Das gilt auch für Algerien. Lange Zeit verband man mit diesem Land märchenhafte Vorstellungen. Im letzten Jahrzehnt drangen allerdings von dort in erster Linie Schreckensnachrichten von entsetzlichen Morden zu uns, über die die Medien schließlich nur noch sporadisch berichteten, nämlich immer dann, wenn die Massaker besonders viele Opfer kosteten und von großer Grausamkeit waren. Dabei hat gerade dieser Teil Nordafrikas eine reiche und vielseitige Tradition aufzuweisen, zu der Apuleius,Terenz und Augustinus ebenso beigetragen haben wie andere Repräsentanten der islamischen, jüdischen und christlichen Religion sowie der berberischen, algerischen und französisch-europäischen Kultur. Erinnert sei ferner an Albert Camus, der als Algerienfranzose den algerischen Boden und die Schönheit seiner Bewohner besungen und als erster über die Lage seiner Heimat sozialkritische Reportagen verfasst hat. Gerade sein aus dem Nachlass herausgegebenes Fragment "Der erste Mensch" vermittelt einen anschaulichen Eindruck von dem Land während der zwanziger Jahre, überwiegend aus dem Blickfeld sogenannter kleiner weißer Leute. In den Büchern der Algerierin Assia Djebar werden wir dagegen mit dem Algerien der Gegenwart als auch der Vergangenheit konfrontiert, diesmal indessen aus der Sicht einer privilegierten arabisch-berberischen Frau.

Ihrem Vater verdankt Assia Djebar auch, dass sie sich nicht verschleiern musste wie ihre Cousinen, die wie sie in der französischen Schule schreiben lernten, aber dann bis zu ihrer Verheiratung das Haus nicht mehr verlassen durften.
Assia Djebar hatte das Glück, ihren Bruch mit der Tradition, ihre Befreiung aus dem Analphabetentum und der Bevormundung durch die Männerwelt an der schützenden Hand des Vaters zu vollziehen. Darin ist wohl auch der Grund zu sehen, dass ihre Emanzipation nicht in einen männerverachtenden Feminismus mündete. Vielmehr ist ihre Suche nach weiblicher Identität, die ihr literarisches Schaffen und ihre wissenschaftliche Tätigkeit prägen, bestimmt von einem tiefen Verstehen der kulturellen Tradition ihres Landes. Nichtsdestotrotz: der Vater ist streng, er verbietet ihr rigoros jede noch so harmlose junge Liebe, zerreißt Briefe, die sie von einem Unbekannten bekommt. (Solche väterlichen Verhaltensweisen indes waren auch bei uns, als autoritäre Erziehung noch angesagt war, nicht ganz fremd .)
Sommer 1956, aus Solidarität mit dem 1954 begonnenen algerischen Befreiungskrieg, am Streik algerischer Studenten und schrieb ein Jahr später ihren ersten Roman. 1958 heiratete sie den Untergrundkämpfer Walid Garn und folgte ihm nach Tunis, wo sie für die revolutionäre Presse arbeitete und ihr Geschichtsstudium mit einer Arbeit über die mystische Literatur des arabischen Mittelalters abschloss. sie zu den afrikanischen Intellektuellen, die ihre Stimme immer wieder für jene erheben, die mundtot gemacht werden sollen.
Assia Djebars eigentlicher Name lautet Fatima-Zohra Imalayene. Sie wählte das Pseudonym, weil sie nicht wusste, wie ihre Familie ihre ersten Romane aufnehmen würde, in denen sie traditionelle Normen in Frage stellt. Geboren wurde sie am 30. Juni 1936 in der algerischen Hafenstadt Cherchell, dem antiken Caesarea, unweit Tipasa an der algerischen Mittelmeerküste. Eine Gegend, die vielen vertraut sein dürfte, die Camus' Werk und seine Liebeserklärungen an die algerische Mittelmeerküste kennen.
Assia Djebar besuchte sowohl die Koranschule als auch die französische Grundschule, an der ihr Vater, ein überzeugter Sozialist, Lehrer war. Er war einer der wenigen algerischen Lehrer, die es während der Kolonialzeit gab. Ihm verdankt Assia Djebar, die einer traditionsgebundenen Familie entstammt, in der Frauen bislang ohne schulische Bildung aufwuchsen, dass ihr Leben nicht in der für Frauen üblichen Bahn verlief.
"Ein kleines arabisches Mädchen geht zum ersten Mal zur Schule, an einem Herbstmorgen, an der

erster Roman "La Soif" (woertlich "Der Durst", bei uns erschien er unter dem Titel "Die Zweifelnden") wird oft mit Fran?se Sagans "Bonjour Tristesse" verglichen. "La Soif" ist die Geschichte eines "verwestlichten" jungen Maedchens, die Identitaetssuche einer jungen Frau in der zwischen Tradition und Moderne stehenden islamischen Gesellschaft kurz vor Ausbruch des Unabhaengigkeitskrieges. Die Autorin selbst betrachtete ihren Erstling spaeter als Stiluebung. Doch hat sie in dieser "Stiluebung" eine Entwicklung in der Mentalitaet der jungen Frauen beschrieben, die erst etliche Jahre spaeter in der Gesellschaft wirklich sichtbar wurde. Sie versucht hier, die Welt der Gefuehle zu erkunden und sich mit sexuellen Problemen auseinander zu setzen.
Die genussvolle Darstellung koerperlichen Wohlgefuehls aus der Feder einer Frau war ein Novum in der algerischen Literatur und ein Skandal fuer die muslimische Gesellschaft. Gleichwohl brachte der erste Roman ihr sofort einen Literaturpreis ein und wurde 1959 ins Deutsche uebertragen.
In ihrem zweiten Roman "Les impatients" ("Die Ungeduldigen") fuehrt Assia Djebar ihr Thema weiter: die Entdeckung des weiblichen Koerpers, die erotische Selbstfindung der arabischen Frau, die einhergeht mit der Eroberung der Außenwelt, der oeffentlichen Sphaere und der freien Natur. Beide Romane dokumentieren die Geschichte der Auflehnung junger Frauen gegen Tradition und Heuchelei der moslemischen Gesellschaft.
Diese beiden ersten Romane schildern, wie junge arabische Frauen bemueht sind, ihr privates Glueck zu finden, was natuerlich nicht ohne Gewissensnoete abgeht, und sich ihre Freiheit nehmen, auch wenn diese Freiheit am Anfang zunaechst nur darin besteht, unverschleiert wie eine Europaeerin gekleidet durch die Straßen zu gehen. Ist doch der Schleier ein Symbol weiblicher Unmuendigkeit und postkolonialer Unterdrueckung.

Ihre naechsten, Ende der sechziger Jahre erschienenen Romane beziehen dann staerker als die beiden ersten individuelle und kollektive Geschichte aufeinander. Nach zwei weiteren Buechern "Les enfants du nouveau monde" ("Kinder der Neuen Welt") und "Les Alouettes naives" ("Die naiven Lerchen") haelt die Autorin erschrocken inne, weil sie glaubt, zu viel von sich preisgegeben zu haben. "Ich habe wie eine arabische Frau reagiert, die ueber alles, nur nicht ueber ihr Innenleben sprechen kann", bekennt sie spaeter ueber diese Phase ihres Lebens. "Als mir bewusst wurde, dass das Schreiben zur Entschleierung, zur Entbloeßung fuehrt, bin ich zurueckgeschreckt und habe mich in Frage gestellt." Wenn sie weiter schriebe, so fuerchtete sie, wuerde sie ihr Leben zerstoeren. Eine Zeitlang ueberlegte sie, ob sie nicht auf arabisch ihre Zeilen zu Papier bringen sollte. Immerhin ist die franzoesische Sprache fuer Djebar auch die Sprache der Unterdrueckung und der Fremdherrschaft. Gleichzeitig aber hat ihr diese Sprache die Freiheit gebracht und den Prozess ihrer Bewusstwerdung. Erst der Einbruch der Franzosen in Algerien, der fuer das Land eine verheerende Niederlage bedeutete, schuf Voraussetzungen dafuer, dass Frauen wie sie außerhalb des Harems leben und sich in der OEffentlichkeit aeußern koennen.
In ihrer eigenen Kultur waere sie niemals zu Wort gekommen: Ihr Los waere das ihrer Schwestern gewesen, ihr Ort das Gefaengnis der arabischen Braeuche. Aber zunaechst traegt Assia Djebar schwer daran, dass sie ihre intellektuelle und literarische Profilierung dem Feind danken muss, und verstummt fuer ueber ein Jahrzehnt. Allerdings wechselt sie das Medium und dreht in den siebziger Jahren zwei erfolgreiche Dokumentarfilme in arabischer Sprache, um das algerische Publikum zu erreichen. Was ihr nach ihren eigenen Worten nicht recht gelang: arabische Werke zu produzieren, schaffte sie mit ihren Filmen, der eine wurde 1979 auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet, der andere wurde 1983 auf dem Berliner Filmfestival gezeigt.

Durch die Filmarbeit kommt die algerische Schriftstellerin schließlich zu den Themen, die ihr jetziges literarisches Schaffen bestimmen:(die Suche nach der weiblichen Stimme), nach Zeugnissen von Unterdrueckung und Emanzipation der Frau in Vergangenheit und Gegenwart. Ein starkes Moment der Muendlichkeit sowie aus der Filmsprache uebernommene Techniken praegen seitdem ihren Stil. An die Stelle des konventionellen linearen Erzaehlens ist eine Vielzahl von Stimmen getreten. Filmische Vor-, Rueck- und UEberblendungstechniken werden kunstvoll miteinander kombiniert und mit epischen, poetischen und essayistischen Passagen verwoben.

Der Titel eines ihrer Buecher "Weit ist mein Gefaengnis" geht auf ein altes Berberlied zurueck: "Weit ist das Gefaengnis, das mich erdrueckt. Woher Befreiung, wirst Du zu mir kommen?" In diesem Roman fasst sie die wichtigsten Themen und Motive ihrer bisherigen Buecher zusammen: Die Identitaet der Frau in der islamischen Gesellschaft, die Suche nach einer anderen Tradition in der arabischen Geschichte, das Hohelied weiblichen Aufbegehrens, die algerische Problematik einer Existenz zwischen den Sprachen. In aller Breite erinnert Assia Djebar hier an die urspruengliche nordafrikanische Kultur vor dem Islam und der arabischen Eroberung des Landes um 700 nach Christus sowie an die berberisch-libysche muendlich tradierte Volkssprache.

http://ursulahomann.de/SchreibenAlsEntschleierungDieAlgerischeSchriftstellerinAssiaDjebar/kap001.html


Die Schattenkoenigin.
8°. 213 S. TB. Unionsvlg., Zuerich 2000.
Isma und Hajila: zwei Frauen des gleichen Mannes. Hajila, schweigsam, fuegsam, passiv, entschließt sich zur heimlichen Flucht. Sie nimmt den Schleier vom Gesicht und geht 'nackt' hinaus auf die Straßen, in die Parks, unter die Menschen. Eine Befreiung in Angst und Schrecken. Isma hat mit dem Mann schon lange gebrochen. In ihrer Erinnerung aber tanzen noch die Bilder aus den gemeinsamen Naechten voller Liebe und Lust. Sie taucht wieder ein in eine Kindheit, die sie mit Hajila teilte, den Ausgangspunkt im ummauerten Hof des Harems. Die Schatten und Stimmen der Eingeschlossenen beginnen zu leben, ein vibrierendes Universum der Sehnsuechte und Feste wird wach.
"Zwei Frauen sind mit demselben Mann verheiratet. Aber sie sind nicht Rivalinnen. Isma, die Verwestlichte, hat Hajila, eine Jugendgespielin aus armer Familie gewaehlt, um an ihre Stelle bei Mann und Kindern zu treten. Sie tut es, um sich selbst aus der Ehe mit dem einst geliebten Mann zu befreien. Ein Buch der Solidaritaet unter den Frauen." - Una Pfau, Sueddeutscher Rundfunk

http://www.nahost.de/content/literaturlisten/autoren/assia-djebar.shtml

*
Wortlautauszuege aus der Rede von Preistraegerin Assia Djebar:

"Im Grunde geht es (...) um einen Vorbehalt, der weder bedacht noch rational ist, kurz, um ein 'Nein' des Widerstands, das manchmal in einem aufkommt, bevor der Verstand eine Rechtfertigung dafuer gefunden hat. Ja, dieses dauerhafte innerliche 'Nein' (...) erscheint mir als Fundament meiner Persoenlichkeit und meiner literarischen Dauerhaftigkeit. (...) Beim Schreiben kenne ich nur eine Regel (...): naemlich zu schreiben, nur aus Notwendigkeit. Schreiben als ein Graben in die Tiefe, als Vordringen ins Dunkle und Ungewisse! Gegen etwas An- Schreiben, ein Schreiben im Widerspruch, in der Auflehnung (...). Dieses 'Gegen' ist zugleich ein 'Hin zu', das heißt, ein Schreiben der Annaeherung, des Zuhoerens, des Beduerfnisses nach Naehe... Es will menschliche Waerme einfangen, Solidaritaet, doch dieses Beduerfnis ist zweifellos utopisch, denn ich stamme aus einer Gesellschaft, wo die Beziehung zwischen Mann und Frau außerhalb der Familie von so viel Haerte und Schroffheit gepraegt ist, dass es einem die Sprache verschlaegt!(...) Mit oder trotz der so genannt 'fremden' Sprache musste ich an mein Land alle Fragen stellen (...) zu seiner Geschichte, seiner Identitaet, zu seinen Wunden, seinen Tabus, zu seinen verborgenen Schaetzen und zur kolonialen Enteignung waehrend eines ganzen Jahrhunderts. Dabei ging es nicht um Protest, nicht um Anschuldigungen. (...) Es ging lediglich um die Erinnerung, um diese Taetowierungen durch Revolte und Kampf. (...) Mein Ziel war, die bleierne Stummheit der algerischen Frauen spuerbar zu machen, die Unsichtbarkeit ihrer Koerper, denn auch sie kehrte zurueck, zusammen mit einer rueckschrittlichen, nach außen abgeschotteten Tradition. (...) Als ich mich wie eine Immigrantin in einer Vorstadt von Paris niederließ, hatte ich mir nicht vorgestellt, dass ich mich in den folgenden Jahren mit den Wechselfaellen, den Entladungen, dem Wahnsinn und dann... mit der Gewalt und den tagtaeglichen Morden befassen wuerde, wie wir sie in den Spalten der Tageszeitung lesen konnten und die das Gesicht meines Landes verzerrten! (...) Mitte Juni 90 (...) siegten die Fundamentalisten des FIS tatsaechlich bei den Kommunalwahlen! Mein Traum von einem offenen, egalitaeren Islam, so schien es mir jetzt, war aus meinen Worten erstanden wie eine Sandburg! (...) Wie soll ich von den acht Jahren des algerischen Wahnzustands sprechen, die folgten und auch in meinen Buechern Widerhall fanden? Wie von meinem Leben sprechen, das fortan dem Exil geweiht ist? (...) Denn die Schrift, damit meine ich das Geschriebene in jeder Literatur ebenso wie jede Form von erleuchtendem Sprechen, teilt die Trauer oder das Verbrechen nicht einfach mit. Das Geschriebene ist ja keine wortreiche Inschrift auf einer Grabplatte, (...) Nein, das Schreiben, (...) ist ein Alarmsignal, ein Hilferuf (...). (...) Es ist die schwebende Zwiesprache mit dem Freund, auf den die Hacke niederging, in dessen Kopf die Kugel einschlug (...). Schreiben ist also ein Tanz mit Phantomen, und solange man selbst lebt, durchstroemt einen das Beduerfnis zu erzaehlen als einziger Antrieb. (...) Es gibt diese Kraft, die kaum sichtbar, ungreifbar und fuer die Tagesaktualitaet so uninteressant ist, mir scheint, dass sie mir Kraft gibt: die klare, zerbrechliche Kraft des Schreibens. Oder, in meinem Fall, das noch unerkannte, lastende Schweigen der Musliminnen, das vor diesem Schreiben liegt. (...) Auf den Spuren dieses Koranverses werden die in Algerien lebenden Frauen durch ihre Leiden und durch ihre Rede der Wahrheit uns aus der Zwinge dieser schrecklichen Jahre befreien. Damit der Friede bald wiederkehrt, ein Friede der Gerechtigkeit und gegen das Vergessen, moechte ich heute diesen Friedenspreis (...) folgenden verstorbenen algerischen Schriftstellern widmen: dem Romanautor Tahar Djaout, dem Dichter Youssef Sebti und dem Dramatiker Abdelkader Alloula, die alle drei in den Jahren 93 und 94 ermordet wurden. Ich widme ihn auch dem ersten von uns Literaten aus dem Maghreb, Kateb Yacine, dem Dichter, Romanautor und Dramatiker, der 1989 starb. (...)"

Stimme der Frauen und der "Dritten Welt"
http://www.frauennews.de/themen/portraits/assiadjebar.htm

meine bemerkungen:
mich verbindet wenig und viel mit frau assia dgebar.
sicherlich ich habe einiges als negativ zu sehen. da ich selbst direkt betroffene bin.
hinzu kommt ich hatte kein glueck obwohl beide gesellschaft die aufklaerung trennt.

punkt1
sie sagte in einer arabische welt kann eine frau nur femenistins sein.
ich beantworte sie: um zu ueberleben, man kann besser als neutrum leben. um sich einen abstand zu schaffen. um sich immer wieder zu kontrolieren. sich wieder bei sich zu finden. da die indifikation bei orientalischen frauen unkontroliert verlaeuft.
ich erfuhr wenig solidaritaet von frauen als kind oder als jugendliche.
was ich lebenslang nachtrauerte und bisher nicht glauben koennen.


den 2. punkt füge ich hinzu, als frau oder mann (genau wie im westen- nur im orient erfaehrt man ohne aengste als in europa) entscheidet sich in der kindheit die natur ihre lebensweg.
da wir die orientaler in diesem punkt ehrlicher als die westler.
uns fuer dumm zu halten habe ich bisher durchhalten koennen, nur um ihre vorurteil nicht zu korrigieren.

wir leben heute und hier in einer welt, die uns solche harte vorleben durchmachten, es erleichtert, dass wir darueber reden koennen. was ich als grosse lebenshilfe finde.
erreichen wir dabei der ziel. wohl kaum, weil die meisten denken sie sind richtiger in jeder hinsicht jede einmischung ist eifersucht oder torpodieren lebensart.

irgendwann schon in der kindheit erfährt man, dass man in einer grossen luege lebt, die jeden tag wiederholt muss, sonst die welt geht unter. zum westen orientieren ja nur ware und falsche geistige arroganz.

ich sage dies weil mein problem ist. ab bestimmten alter erfuhr ich es gibt eine allgemeinen wahrheit. sie hat mit der religion nicht oder dem westen zu tun.
ploetzlich man sitzt draussen vor der tuer allein. falls andere da sitzten, man gesellt sich mit ihnen. solange der grad ihre querdenken reicht.

wir brauchen nicht nah von nordafrika zu sein, wir gehen auf der andere seite dem mittelmeer. in der tuerkei sah ich neulich im TV, wie ein vater versprach einen alten reichen bauer seine 17 jaehrige (alter ..? ) tochter morgen frueh zu ihm auf dem bauernhof geht.

wir leben in dem 21. jh. die tuerkei ist die modernste 3. welt/ islamische laender. so gibt sich das land nach aussen vor.
man sieht wie modern die jugend in die staedte. gerade sie demolieren die neue zeit und europa nachaeffen.
sie duerfen und koennen die tiefe ihre absicht nicht zeigen.

leider unsere exotic verbirgt und verdichtet einen schleier/hijab auf uns. die mehrheit des westens hat ihre veruteile.
zum dank leben wir vom minderheiten, die uns herzlich unterstuetzt, die auch in dieser gesellschaften umwandlung durchmachte wie wir jetzt.
ich kann nicht sagen ob wir angefangen haben. dort ist die bremse gezogen wie vor 1000 jahren.

du sprachst, dass der koerper ist das wichtigste in unsere islamische gesellschaft/ spezialer er ist verpoent.
ob eine islamische oder westliche frau wir haben ein respekt fuer den eignen koerper. wir sehen ihn anderes als wie in der gesellschaft ueblich ist.
das noch uns tiefer der schmerz sitzt als <al-aurah> zu bennen.
das motivierte mich zu wissen wie vorislamischen kulturen die frau lebte. wie ihren weg ins reife ging.
denn ich habe meine fest in der erinnerungen.
ob bei den aborigines oder inuiten suchte ich nach den bewussten frauen. nach ihren staerke und schwaeche. ihre gesellschaftliche verpflichtungen.
meistens dort hat die natur ihr leben bestimmt. sie bewegten sich mit ihm. sie entgegneten ihn nicht.

wir haben wenig verbindung zum natur. die natur wird gesehen als rueckstand. obwoh wir sind an die natur gebunden als jede anderes volk, da die islamische welt geht al-tariq al-mostaqim. man sollte gott draussen in der natur besuchen. sich frei fuellen.

gerade diesen punkt ist meine arbeit seitdem ende mein studium gewidmet.
ich versuche das thema nicht ins tiefe zu gehen, da wir keinen protoganisten haben.
weder im themen noch in der techniken. irgendwann wird es sich entwickeln.
ob die querfrauen oder al-hijab/orient/ cabul / paternoster / 1000 u.nacht der koerper spielt die hauptrolle.
symbolisch ohne kleider - damit meine ich die tiefe verletzbarkeit, indem wir uns befinden.
und die ich viel bearbeite. ob fuer gesellschaft - die menschen gemeint - es soll am anfang allgemeinen frage.

was fuer die westen nicht zu verstehen ist. da diese themen in europa schon laengst geloest sind.
fuer uns stehen sie bevor.
es wird als negative exotic verstanden. was mir als orientalin meine minderwertigkeit vermittelt und in der falschen richtung geht.
ich kann mir vorstellen eine arabische welt nicht mit den gleichen masstaebe wie hier kulturell produzieren wird.
da eine arabische welt hat anderen ausgangpunkte als die westlische.
da die masse braucht eine neue orientierung, damit aus ihr eine entwicklung entstehn, sonst sie zieht die kraft nach ihr. damit aus ihr eine elite oder avantgard irgendwann entstehen, die kritikit faehig..

einen widerspruch in der gesellschaft hast du gut bearbeitet, was ich nicht als feindlich empfinde. was alle andere finden eher als feindlich.
mich stoert, dass die meisten bei uns den widerspruch vom aussen sehen. nicht aber das im inneren ist.
sie wollen darueber nicht reden. man kriegt fast vom gleichen kuenstler ein verbot. den inneren widerspruch zu verschweigen. dies ist der motor unsere zukunft.

3/
punkt 1
eine kann ich nicht lesen/ ihre buecher. da ich davon gefluchtet bin, wie kann ich sie mir geistig wiederholen. es ist wie in einem folterkammer wieder rein zu gehen. in algerien ist noch rueckstaendiger als anderswo!
ihre geschichte wirken auf mich hinter dem mittelalter. zimlich sehr alt. hat mit dem gegenwart nicht zu tun.
und doch sie demonstrieren etwas was uns heute beschäftigt.
wie die andere seite lebt. das ist die staerke der schreiberin.
punkt 2
in der arabischen welt ist die gleichberechtigung der frau anderes gelaufen als in nordafrika.
aegypten- syrien- libanon- palaestina und neu jordanien irak ist eine grosse entwicklung passiert trotzdem ist immer noch zu wenig.
in den 50er elebte ich die aegyptische frau als emanzipierte als seitdem 70er jahre.
die neue fundamentalistische frau hat viele varianten. ich traf auf unterdrueckte. ich traf auf emanzipierte (dort wird die emanzipation verstanden als: berufliche/ moderne westlischen geraeten/ autos= lebenstil).
aber die beibehaltung ideen vom religione seit mohamed erfuhren keine emanzipation oder erneuerungen.
hier die arabische philosophie war vorreiter damaliger zeit. wurde nicht uebernommen.
modern im alltagsleben aber geist bleibt stehen. es hat keine raeume oder verzweigungen oder zweifel. es besteht kein widerspruch. das struktur umdenken wurde nie war genommen geschweige es zu lernen. es stimmt im schulsystem was nicht.
das aegyptische kultur fuer die massen steht still. hinzu die menschen wollen nicht anderes.
ob man den koran umtauschen will.

 

4/
a- hinzu wir kommen aus einem anderem generationen. damals sahen wir vieles, die schwer zu verstehen innerhalb dieser welt.
was ich oben besprochen habe. es ist eine oberflaeche. in der tiefe ist das wahre worum ich mich aufrege oder was mich motiviert zum malen. diese oberflaeche ist schon bekannt in der arabische welt. soweit ich weiss. ich hoere immer ist behoben. die gesamte gesellschaft ob regierung- jurist- scheich- einfacher bürger sie sehen die problemen. sie reden davon nach dem alle protokellen, die veröffentlicht wurde. sie leiden ebenfalls.

b- auch wenn die frauen frei waeren. das problem bleibt weiterhin verankert an der oberflaeche und die tiefe.
sogar sie werden eine grosse gefahr für die islamische gesellschaft werden.
hand in hand alle gemeinsam das problem eingehen, damit keine distruktive kluft entsteht.

c- einen streit zwischen 2 isl. araber wird von anfang bis zum ende mit gottes gebote und verbote gefuehrt.
das heisst eine staatliche/ weltliche authoritaet oder eine geistige haltung besteht nicht.
mit gott name wird geführt, dies gilt fuer alle bürger, wenn man sie genau nachfolgt. fuer mich ist unheimlich zu folgen.
wicht was nicht existiert. es gibt keine kulturellen massstab in der gesellschaft. dies entscheiden die kuenstler selbst oder die schrifsteller. ein chaos, kann erst behoben. wenn extra einschulung enstehen. dies wird mit sich mit dem isl. lehre nicht vereinbaren koenne?

d- der einzeln ist allein auf sich gelassen. das heisst das kein gesetzt steht ueber ihn. ein chaos laeuft vor den augen.
jeder macht was er will aber wenn es moeglich im stille. er darf nicht erwischt.
wenn es sehr schlimm wird. die aggressive frage kommt prompt: und du glaubst du, du waerst GOTT?
das ist armut aber zugleich ein schutz. die menschen können nicht zurueckfallen in zeit vorislamische zustaende.
er haengt an gott mehr als den je. weil er bietet ihn die erste hilfe um seine rettung, die ihn niemanden im lande bietet.

e- der mensch fluechtet in die oberflaeche des aegyptischen gesaenge/ lieder. das instrument des wiederbeleben ist gelaufen.
sage mir bitte, wer will wieder das schwarze glueck noch bewusst erleben.
was in china das .....des volkes. in der arabische welt das lied und die heruntergekommenen filmen.
das volk ist nicht in der lage sich zu veraendern sprachlich - kulturell was dem alltag betrifft.

f- nicht die aufklaerung kann ihn helfen sondern einen weg wie kann erst er verstehen, damit er sein irritum/ korrektur bewusst wird. wenn es nicht gehen wuerde. er wird imitieren und irrietiert, was gegenwaertig zu sehen ist.
fusion der kulturen ein schoenes wort. aber die meisten voelker haben einen weg angefangen. die araber suchen ihn noch (wenn es ihnen bewusst ist!). falls sie meinen. sie haben ihn gefunden. aber wenn sie ihn nicht gefunden haetten?
ihre identitaet wird sie verraten. sie werden nicht durchhalten.
um etwas zu tauschen du musst etwas haben. wenn du etwas hast, kannst du mit neuen vermischen.
sonst du wirst den neuen (der anderen mit ihm selbst umtauschen muessen, damit es modern aussieht).

oder du wirst dich selbst betruegen. mogel vorgaukeln. jedenfalls wenn wir reden, stellen wir alles auf dem tisch. wir reflektieren. mit der zeit die augen sehen das neue.
hoffnung liebe glaube geist muss dich immer begleiten. danach du siehst das offene himmel mit neuen tueren, die dich ruft.
manche sehen dies nicht, weil der neid - gier sie nicht dahin fuehrt. sie versteiner den weg leider.

eine unsehbare bedingung fuer eine internationale mitarbeit, dass man entscheidet über menschen, die ihren weg in der geschichte fanden. z.b. e.said wird nicht anerkannt es sieht auch, dass er nicht im geschichtsbuecher stehen wird.
diese entscheidung treffen die regieurngen und die kunst/schriftsteller verband nur aus puren neid. die geschicht schreie mir im hals darf nicht luegen.

was eine folge der isolierung ist. die geistige welt ist begrenzt wie frau assia es sagt.
das finde ich schlimm, denn wenn dies nicht geloest, wird die frau nie einen richtigen weg finden. ueberhaupt die gesellschaft selbst. die qualitaet und die level um sich weiter zu bilden. steht zu null.
wenn jemanden es macht, nur begrenzt,damit seine presentation mit paar westler honiriern. so sind meine erfahrungen.
es gibt ausnahmen zweifellos was zu begruessen ist.
aber frau assia hat recht was die zukunft betrifft. die vergangenheit soll korrigiert, um unsere frieden zu finden. und neue kinder bilden koennen.

(die Suche nach der weiblichen Stimme)
die ganze menschheit sucht sie. es ist einen normalen vorgang. die glückseligkeit der lebensstil- und viele anderen. sie verdecken viel. aber etwas bleibt anhaftet. danach suchen alle nicht nur im orient.
(im orient ist gravierender als anderswo. weil dort sucht man die neue zeit problem aus dem blickwinkel gottes.
die religionen entstanden vor 2000 jahren um die menschen aus dem alten zeit in fortschritt zu bringen.
aus dem nicht wissen zum erst wissen. der mensch lebt seinen ursprung in phasen, die im orient nicht existiert.
nur vor dem islam oder nachdem islam.)
da die feste bindung am himmel finden statt. die welt bewundert diese kleine frau, dass mit der zeit zu einer icone verwandelt wurde.
dies reichte ihr nicht mal zum freien atm. die aussenstehende sehen exotic gleichzeitig sehen nicht die qual dieses ewige abbild. hinzu eine arme weltsicht wird vorgekaukelt, dass nur zu einem glanz leben reicht. die vielfalt der westliche blickwinkel ist undenkbar. diese undenkbare wird von uns verurteilt "frauen". darum gehts. so einfach ist es.

eigentlich mit assia bringe ich viel in der kunst mit. die faehigkeit der frau nicht nur als alte frau dasein - dazu sind das andere seite auch im anspruch zu nehmen umzudenken. was für ihn schwer viel abzugeben.
da es gesellschaftlich aufgefordert ermutigt hinter dem mann steht.
ob menschlich moralisch ist. ihn kümmert es nicht.
inzwischen der wesler nähert sich dem orientaler. ununterbrochen ein stück vom suessen kuchen abzugeben.

sonst man geht auf eine parallel engen pfad getrennt und lebt doch zusammen innen als fremde, ausserlich als mutter und vater.
assia will viel- ihre wunsch ist gut fuer alle.
ihre art schilderung ist schwer - alt- unzeitgemaess- uebertreibungen trotzdem sie verfolgte einen roten faden, dass darum geht.
eine hat den mut durchzuhalten. ein staat half ihr. wir muessen dankbar.
sonst ist nirgendswo zu sehen solche ideenmenschen geholfen werden.


warum

top

ursprung -