Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan (1819)
goethe4
goethe 1 - 2 - 3
home - kant - schiller - arab world - evolution

Goethe und Orientalist georg wilhelm lorsbach
wird vom urenkel präsentiert steffan lorsbach

arab letters 1 - 2 - 3
arabische dichtung

wenn man einigen vergleicht mit dem koran - al baqara / es kommt alles vor - der gott mit seinen stärke spricht goethe - al "baudah" die mücke -
was für einen araber schwer ist - goethe war einen begeisterter alte vorislamische dichtung- besonder Megnoun und Leila - die diskussione zwischen beide über Megnoun sehr interessant - dass goethe einen begeisterter orient in jeder hinsicht - über den araber und seine zelt - damit er überall gehen kann- der satan das böse veruteilt er wie allah-

Goethe und Orientalist georg wilhelm lorsbach

West-östlicher Divan"

Johann Wolfgang von Goethe
http://lorsbach.filo.de/goethe/lorsbach/index.html

I. Moganni Nameh - Buch des Sängers

Zwanzig Jahre ließ ich gehn
Und genoß, was mir beschieden;
Eine Reihe völlig schön
Wie die Zeit der Barmekiden.


Hegire

Nord und West und Süd zersplittern,
Throne bersten, Reiche zittern:
Flüchte du, im reinen Osten
Patriarchenluft zu kosten,
Unter Lieben, Trinken, Singen
Soll dich Chisers Quell verjüngen.

Dort im Reinen und im Rechten
Will ich menschlichen Geschlechten
In des Ursprungs Tiefe dringen,
Wo sie noch von Gott empfingen
Himmelslehr' in Erdesprachen
Und sich nicht den Kopf zerbrachen.

Wo sie Väter hoch verehrten,
Jeden fremden Dienst verwehrten;
Will mich freun der Jugendschranke:
Glaube weit, eng der Gedanke,
Wie das Wort so wichtig dort war,
Weil es ein gesprochen Wort war.

Will mich unter Hirten mischen,
An Oasen mich erfrischen,
Wenn mit Karawanen wandle,
Shawl, Kaffee und Moschus handle;
Jeden Pfad will ich betreten
Von der Wüste zu den Städten.

Bösen Felsweg auf und nieder
Trösten, Hafis, deine Lieder,
Wenn der Führer mit Entzücken
Von des Maultiers hohem Rücken
Singt, die Sterne zu erwecken
Und die Räuber zu erschrecken.

Will in Bädern und in Schenken,
Heilger Hafis, dein gedenken,
Wenn den Schleier Liebchen lüftet,
Schüttelnd Ambralocken düftet.
Ja, des Dichters Liebesflüstern
Mache selbst die Huris lüstern.

Wolltet ihr ihm dies beneiden
Oder etwa gar verleiden,
Wisset nur, daß Dichterworte
Um des Paradieses Pforte
Immer leise klopfend schweben,
Sich erbittend ewges Leben.


Segenspfänder

Talisman in Karneol,
Gläubgen bringt er Glück und Wohl;
Steht er gar auf Onyx' Grunde,
Küß ihn, mit geweihtem Munde!
Alles Übel treibt er fort,
Schützet dich und schützt den Ort:
Wenn das eingegrabne Wort
Allahs Namen rein verkündet,
Dich zu Lieb und Tat entzündet.
Und besonders werden Frauen
Sich am Talisman erbauen.

Amulette sind dergleichen
Auf Papier geschriebne Zeichen;
Doch man ist nicht im Gedränge
Wie auf edlen Steines Enge
Und vergönnt ist frommen Seelen,
Längre Verse hier zu wählen.
Männer hängen die Papiere
Gläubig um als Skapuliere.

Die Inschrift aber hat nichts hinter sich,
Sie ist sie selbst und muß dir alles sagen,
Was hintendrein mit redlichem Behagen
Du gerne sagst: Ich sag' es! Ich!

Doch Abraxas bring ich selten!
Hier soll meist das Fratzenhafte,
Das ein düstrer Wahnsinn schaffte,
Für das Allerhöchste gelten.
Sag' ich euch absurde Dinge,
Denkt, daß ich Abraxas bringe.

Ein Siegelring ist schwer zu zeichnen;
Den höchsten Sinn im engsten Raum;
Doch weißt du hier ein Echtes anzueignen,
Gegraben steht das Wort, du denkst es kaum.


Freisinn

Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten!
Bleibt in euren Hütten, euren Zelten!
Und ich reite froh in alle Ferne,
Über meiner Mütze nur die Sterne.

*

Er hat euch die Gestirne gesetzt
Als Leiter zu Land und See,
Damit ihr euch daran ergetzt,
Stets blickend in die Höh'.


http://lorsbach.filo.de/goethe/lorsbach/index.html


Es besteht kein Zweifel, daß Lorsbachs Mitteilungen, z.B. zu den persischen Autoren Dschami, Rumi, Montanabbi oder zu dem Liebesroman "Megnoun und Leila", vom Dichter im "Divan", mehr noch in den "Noten und Abhandlungen" benutzt bzw. verarbeitet worden sind. Ohne Frage haben allerdings andere Experten wie die Exdiplomaten v. Hammer und Diez oder die Orientalisten Eichhorn, Paulus und auch der Lorsbach-Nachfolger Kosegarten, ein Schüler de Sacys, weitaus intensiver auf Entstehung und Entwicklung beider Schriften eingewirkt. Auf jeden Fall trat Goethe zu dieser Zeit zu seinem Gesprächs- und Briefpartner Lorsbach offenbar auch in ein persönliches Verhältnis.
http://lorsbach.filo.de/goethe/lorsbach/index.html


Dieser hatte inzwischen in einem zweiten erhaltenen Brief an Lorsbach vom 22. Februar 1815 um Aufklärung über ein persisches Manuskript, um die beste Übersetzung des berühmten Liebesromans "Megnoun und Leila" (auch "Medschnun und Leila") sowie die zeitliche Einordnung des Autors Rumi gebeten. Er lobte Lorsbachs belehrende Rezension und entschuldigte sich wegen mancher ungeschickter Frage in einem für ihn "ganz neuen, ungeheuer weiten Fache". Bereits am 4. Februar 1815 war Lorsbachs untertänigster Dankesbrief für die "Übersendung einer Kiste vortrefflichstem Inhalt" entstanden: "Für meine kleine Bemühung mit den orientalischen Manuskripten glaubte ich hinlänglich belohnt zu seyn, weil ich dadurch eine gute Gelegenheit gefunden hatte, meines höchst verehrten Gönners Wünschen zu entsprechen ... So etwas läßt sich nicht ablehnen, ich nehme also mit unterthänigstem Danke an, und werde recht oft an die hohen und milden Hände, aus denen ich es empfangen habe, mit der Empfindung der Erkenntlichkeit denken."

Am 17. Mai konferierte der Dichter noch einmal mit Lorsbach über die alte und mehrfach bearbeitete Liebesgeschichte von Megnoun und Leila, dem arabischen bzw. persischen Romeo und Julia, die im Eröffnungsgedicht des "Buchs der Lieder" als Musterpaar der entsagungsvollen Liebe erscheinen. In diesem Zusammenhang weist Katharina Mommsen in ihrem Buch "Goethe und die arabische Welt" [27] auf die unterschiedliche Interpretation des "Liebeswahnsinns" bei Megnoun hin, wie sie sich bei Goethe, der in ihm ja - im Buch Hafis - auch den Prototyp des Poeten sah, und bei Lorsbach in dessen früherem "Archiv für morgenländische Literatur" äußerte. Während Goethe darin einen mystischen Zustand höherer Weisheit, also etwas Positives erblickte, führte Lorsbach nur negative Bedeutungen für den "Typ" Megnoun an: "... Ist der Mensch rasend oder melancholisch oder epileptisch oder sterblich verliebt, so heißt er Medschun..." Ob sich in dieser Vermeidung positiver Einschätzung bei Lorsbach die eigene psychische Gefährdung äußerte?

K. Mommsen hat [28] auch auf die große Bedeutung hingewiesen, die die Legende von den Siebenschläfern für Goethe hatte. Sei steht im "Buch des Paradieses" und berichtet von sieben Männern, die um ihres Glaubens willen widerstanden und deshalb in mehrhundertjährigen Schlaf versetzt wurden. Bei der Entstehung des Gedichtes dürfte auch eine (nicht erhaltene) Lorsbach-Übersetzung der entsprechenden Koran-Sure eine Rolle gespielt haben. Der Orientalist hatte sie im Februar 1815 an Vulpius gesandt. Im Mai 1815 begab sich Goethe auf seine zweite Reise in den "freien Westen", zur Rheumakur nach Wiesbaden und zu Besuchen in Mainz, Limburg und Nassau, wo er Stein traf; er kam auch nach Köln und Frankfurt zu den Willemers, schließlich nach Darmstadt und Heidelberg. Erst im Oktober war er wieder in Weimar. Bereits im Juli 1815 konnte sich Lorsbach nicht enthalten, den fernen Gönner mit einem Schreiben zu behelligen, das einem Hilferuf gleicht. Es ging um seine Rückkehr nach Herborn, die Goethe bereits befürchtet oder vermutet hatte. Allerdings wußte er kaum - und Lorsbach verschwieg dies auch - daß aus der alten Heimat bereits im August 1814 die erste Anfrage eingetroffen war. Da er nicht abgeneigt war, stellte Lorsbach verständlicherweise der fürstl. oranischen Landesregierung entsprechende Bedingungen - von der Besoldung über das Holzdeputat bis zur Wohnung. Inzwischen waren die oranischen Stammlande - nach der Ernennung des Fürsten Wilhelm zum König der Niederlande - zum größten Teil dem Herzogtum Nassau zugeschlagen worden. Aber auch die neue Regierung in Wiesbaden ließ den Senat der Hohen Schule wegen Lorsbachs Rückkehr in die Heimat sondieren. Währendin oranischer Zeit das Unternehmen an einem für das Gehalt zu "ermittelnden Fonds" scheiterte, nahm Lorsbach nun an, die Finanzierung seiner Anstellung sei gesichert. Am 14. Juli 1815 schrieb er geschmeichelt nach Herborn: "Das Land, worin ich 60 Jahre gelebt habe, hat für mich noch immer den größten Reiz und daher kann ich wohl nicht anders, als meinen herzlichen Wunsch wieder dahin und in die Mitte meiner Freunde zurückzukehren, aussprechen". - Allerdings fügte er vorsichtigerweise hinzu, er sei geneigt zurückzugehen, wenn seine Gehaltszahlungen gesichert seien. [29]


Goethe selbst war am 22. November 1815 nochmals Gast bei Lorsbach, wobei es um eine arabische Grammatik ging, die er übrigens noch am 10. März 1816 (zusammen mit einer Rezension von Diezens Buch "Kabus") an den Orientalisten zurücksandte. Bereits im Oktober 1815 hatte der Dichter begonnen, seine Divantexte in Bücher einzuteilen, ohne die Arbeit an weiteren Gedichten und den "Noten" zu beenden . Der "Divan" kam dann erst im Jahre 1819 - nach enger Zusammenarbeit Goethes mit dem jungen Kosegarten - auf den Markt. Über seine anderen Helfer heißt es in den Tag- und Jahresheften 1815: "Diez war die Gefälligkeit selbst, meine wunderlichen Fragen zu beantworten.

Manche Zeitgenossen sahen dies anders. Gewiß: "Während der Entstehung des West-östlichen Divans wurde Paulus zum wichtigsten orientalistischen Berater des Dichters." [33] K. Mommsen nennt ihn einen geistreichen Mentor, was Goethes Übungen in arabischer Schrift betraf, und hielt Lorsbach nicht für einen sonderlich geeigneten Lehrer für Goethe wegen seiner geringen Neigung zur orientalischen Poesie, wie der Dichter selbst mitteilte. Desto mehr betont sie, daß mit dem Nachfolger Kosegarten an der Universität Jena "die ästhetische Dichtung in der Arabistik zum Durchbruch gekommen" sei.

Wichtig zu sagen dass goethe plädierte professoren für alle religionen ainzustellen-

urenkel
lorsbach@filo.de lorsbach@filo.de
….

...

Talismane

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände!

*

Er, der einzige Gerechte,
Will für jedermann das Rechte.
Sei von seinen hundert Namen
Dieser hochgelobet! Amen.

Mich verwirren will das Irren,
Doch du weißt mich zu entwirren.
Wenn ich handle, wenn ich dichte,
Gib du meinem Weg die Richte!

Ob ich Ird'sches denk' und sinne,
Das gereicht zu höherem Gewinne.
Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben,
Dringet, in sich selbst gedrängt, nach oben.

*

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt!


Vier Gnaden

Daß Araber an ihrem Teil
Die Weite froh durchziehen,
Hat Allah zu gemeinem Heil
Der Gnaden vier verliehen.

Den Turban erst, der besser schmückt
Als alle Kaiserkronen;
Ein Zelt, daß man vom Orte rückt,
Um überall zu wohnen;

Ein Schwert, das tüchtiger beschützt
Als Fels und hohe Mauern;
Ein Liedchen, das gefällt und nützt,
Worauf die Mädchen lauern.

Und Blumen sing ich ungestört
Von ihrem Shawl herunter;
Sie weiß recht wohl, was ihr gehört,
Und bleibt mir hold und munter,

Und Blum und Früchte weiß ich euch
Gar zierlich aufzutischen;
Wollt ihr Moralien zugleich,
So geb ich von den frischen.


Anklage

Wißt ihr denn, auf wen die Teufel lauern
In der Wüste, zwischen Fels und Mauern?
Und wie sie den Augenblick erpassen,
Nach der Hölle sie entführend fassen?
Lügner sind es und der Bösewicht,
Der Poete, warum scheut er nicht,
Sich mit solchen Leuten einzulassen!

Weiß denn der, mit wem er geht und wandelt,
Er, der immer nur im Wahnsinn handelt?
Grenzenlos, von eigensinnigem Lieben,
Wird er in die Öde fortgetrieben,
Seiner Klagen Reim', in Sand geschrieben,
Sind vom Winde gleich verjagt;
Er versteht nicht, was er sagt,
Was er sagt, wird er nicht halten.

Doch sein Lied, man läßt es immer walten,
Da es doch dem Koran widerspricht.
Lehret nun, ihr des Gesetzes Kenner,
Weisheit-fromme, hochgelahrte Männer,
Treuer Mosleminen feste Pflicht.

Hafis insbesondre schaffet Ärgernisse,
Mirza sprengt den Geist ins Ungewisse:
Saget, was man tun und lassen müsse!