bertold brecht
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bertold brecht
philosophen - schriftsteller
Das Grundgesetz
 

VORSPIEL
DIE MORITAT VON MACKIE MESSER

Jahrmarkt in Soho

Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die (H) Muren Ein Moritatiensänger eine moritat:

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und macheath, der hat ein Messer
Doch das messer sieht man nicht.

Und es sind des Hifischs Flossen
Rot, wenn dieser Blut vergiesst
Mackie Messer trägt' nen Handschuh drauf man keine Untat liest.

An der Tehmes grünem Wasser
Fallen plötzlich Leute um
Es ist weder Pest noch Cholera
Doch es heisst: mackie geht um.

An'nem schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.

Und schmul Meier bleibt verschwunden
Und so mancher reiche Mann
Und sein Geld hat Mackie Messer
Dem man nicht beweisen kann.

Jenny Towler ward gefunden
Mit ‚nem Messer in der Brust
Und am Kai geht Mackie Messer
Der von allem nichts gewusst.

Wo ist Alfons glite, der Fuhrherr?
Kommt das je ans Sonnenlicht?
Wer es immer wissen könnte
Mackie Messer weiss es nicht.

Und das grosse Feuer in Soho
Sieben Kinder um ein Greis
In der Menge Mackie Messer, den
Man nichts fragt und der nicht weiss.

Und die minderjährige Witwe
Deren Namen jeder weiss
Wachte auf und war geschändet
Mackie, welsches war dein Preis?

Unter den Huren ein Glächter; und aus ihrer Mitte löst sich ein Mensch ung geht rasch über den ganzen Platz weg.
SPELUNKENJENNY das war Mackie Messer!

ERSTER AKT
1
UM DER ZUNEHMENDEN VERHÄRTUNG DER MENSCHNE ZU BEGEGNEN; HATTE DER GESCHÄFTSMANN J: PEACHMUM EINEN LADEN ERÖFFNET; IN DEM DIE ELENDESTEN DER ELENDEN JENES AUSSEHEN ERHIELTEN, DAS ZU DEN IMMER VERTOCKTEREN HERZEN SPRACH

Jonathan Jeremiah Peachums Bettlergarderoben

MORGENCHORAL DES PEACHUM

Wach auf, du verrtterter Crist!
Mach dich an dein sündiges Leben
Zeig, was für ein Schurke du bist
Der her wird es dir dann schon geben.

Verkauf deinen Bruder, du Schuft!
Verschcher dein Ehweib, du Wicht!
Der Herrgott, für dich ist er Luft?
Er zeigt dir's beim jüngsten Gericht!

PEACHUM: zum Publikum: Es muss ewas Neus geschehen. Mein Geschäft ist zu schwierig, denn mein Geschäft ist es, das maenschliche Mitleid zu erwecken. Es gibt einige wenige Dinge, die den Menschen erschüttern, einige wenige, aber das Schlimme ist, dass ie, mehrmals angewendet, schon nicht mehr wirken. Denn der Mensch hat die furchtbare Fähigkeit, sich gleichsam nach eigenem trieben gefühllos zu machen. So kommt es zum Beispiel, dass ein Mann, der einen anderen Mann mit einem Armstumpf an der Strassenecke stehen sieht, ihm wohl in seinem Schrecken das erste Mal zehn Pennies zu geben bereit ist, aber das zweite Mal nur mehr fünf pennies, und sieht er ihn das dritte Mal, übergibt er ihn kaltblütig der Polizei. Seite 9 Ebenso ist es mit den geistigen Hilfsmittel. Eine grosse Tafel mit "Geben ist seliger als Nehmen" kommt vom schnürboden herunter. Was nützen die schönsten und dringedsten Sprüche, aufgmalt auf die verlockendsten Täfelchen, wenn sie sich so rasch verbrauchen. In der bibel gibt es etwa vier, fünf Sprüche, die das Herz rühren, wenn man sie verbraucht hat, ist man glatt brotlos. Wie hat sich zum Beispiel dieses "Gib, so wird dir gegeben" in knapp drei Wochen, wo es hier hängt, abgenützt. Es muss eben immer Neues geboten werden. Da muss eben die Bibel wieder herhalten, aber wie oft wird sie es noch?
Es klopft, pechum öffnet, herein tritt ein junger Mann namens filch.10

FILCH: PEACHUM & CO.?
Peachum Peachum.
FILCH: Sind Sie besitzer der Firma "Bettlers Freund"? Man hat mich zu Ihnen geschickt. Ja, das sind Sprüche! Das ist ein Kapital! Sie haben wohl eine ganze Bibloithek von solchen sachen? Das ist schon ganz was anderes. Urser einer- wie soll der auf Ideen kommen, und ohne Bildung, wie soll da das Geschäft florieren?
PEACHUM: Ihr name?
FILICH: Sehen Sie, herr PEACHUM, ich habe von Jugend an Unglück gehabt. Meine Mutter war eine säuferin, mein Vater ein Spieler. Von früh an auf mich selber angewiesen, ohen die liebende Hand einer Mutter, geriet ich immer tiefer in den Sumpf der Grossstadt. Väterliche Fürsorge und die Wohltat eines traulichen Heims habe ic nie gekannt. Und so sehen Sie mich denn….
Peachum. So sehe ich Sie denn…10
Flich verwirt: Aller Mittel entblösst, eine Beute meiner Triebe.
Peachum Wie ein wrak, in welchem Distrikt sagen Sie dieses Kindergedicht auf?
FILCH. wiso; Herr peachum? 11
Peachum. Den Vortrag halten Sie doch öffentlich?
Filch. Ja, sehen Sie, Herr Peachum, da war gestern so ein kleiner peinlicher zwischenfall in der highland Street. Ich stehe da still und unglüclich an der Ecke, Hut in der Hand, ohne was Böses zu ahnen…
Peachum. Blättert in einem Notizbuch: highland Street. Ja, ja, stimmt. Du bist der drekerl, den honey und sam gestern erwischt haben. Du hattest die Frechheit, im Distrikt 10 die Passanten zu belästigen. Wir haben es bei einer Tracht Prügel bewenden lassen, weil wir annehmen konnten, du weißt nicht, wo Gott wohnt. Wenn du dich aber noch einmal blikken kässt, dann wird die Säge angewendet, verstehst du?
Filch. Bitte, Herr Peachum, bitte. Was soll ich denn machen, Herr Peachum? Die Herren haben mich wirklcih ganz blau geschlagen und dann haben sie mir Ihre Geschäftskarte gegeben. Wenn ich meine meine Jacke ausziehe, würden Sie meine, Sie haben einen Schellfisch vor sich.
Peachum: Lieber Freund, solange du nicht wie eine Flunder aussiehst, waren meine Leute verdammt nachlässig. Da kommt dieses junge Gemüse und meint, wenn es die pfoten hinstreckt, dann hat es sein Steak im trockenen. Was würdest du dagen, wenn man aus deinem Teich die besten Froellen herausfischt?
Filch: ja, sehen Sie, Herr Peachum- ich habe ja keinen Teich.
Peachum. Also, Lizenzen werden nur an Professionals wrliehen. Zeigt geschäftsmässig einen Stadtplan.
London ist eingeteilt in vierzehn Distrikte. Jeder Mann, der in einem davon das Bettlerhandwerk auszuüben gedenkt, braucht eine lizenz von Jonathan Jerimiah Peachum & Co. Ja, da könnte jeder kommen - eine Beute seiner Triebe.

FILCH Herr Peachum, wenige Schillinge trennen mich vom völligen ruin. Es muss etwas geschehen, mit zwei Schillingen in der Hand…
Peachum. Zwanzig Schilling.11
Filch. Herr Peachum! Zeige flehend auf ein Plakat, auf dem steht:"verschliesst euer Ohr nicht dem Elend".
Peachum. Zeigt auf den Vorhang von einem Schaukasten, auf dem steht: "Gib, so wird dir gegeben".
FiLCH: zehn Schillinge.
Peachum. Und fünfzig prozent bei wöchentlicher Abrechnung. Mit Ausstattung siebzig Pozent.
Filch. Bitte, worin besteht denn die Ausstattung?
Peachum. Das bestimmt die Firma.
FILCH: In welchem Distrikt könnte ich denn da antreten?
Peachum. Baker Street 2-103. da ist es sogar billiger. Da sind es nur fünfzig Prozent mit Ausstattung.
FILCH: Bitte sehr. Er bezahlt.

Peachum. Stimmt. Schreit: Frau Peachum! Frau Peachum kommt. Das ist Filch. Nummer dreihundertvierziehen. Distrikt Baker Street. Ich trage selbst ein. Natürlich, jetzt, gerade vor der Krönungsfeierlichkeit wollen Sie eingstellt werden: die einzige Zeit in einem Menschalter, wo eine Kleinigkeit herauszuholen wäre. Ausstattung C, Er öffnet den Leinenverhang vor einem Schaukasten, in dem fünf wachspuppen stehen.
FILCH: was ist das?
Peachum. Das sind die fünf Grundtypen des Elends, die geeignet sind, das menschliche Herz zu rühren. Der Anblick solcher Typen versetzt den Menschen in jenen unnatürlichen Zustand, in welchem er bereit ist, Geld herzugeben.
Ausstattung ???

Ausstattung A: Opfer des Verkehrsfortschritts. Der muntere Lahme, immer heiter er macht ihn vor, immer sorglos, verschärft durch einen Armstumpf.

Ausstattung B: Opfer der Kriegskunst. Der lästige zitterer, belästigt die passanten, arbeitet mit Ekelwirkung er macht ihn vor, gemildert durch ehrenzeichen.

Ausstattung C: Opfer des industriellen Aufschwungs.- 12 der bejammerrnswerte Blinde oder die Hohe Schule der Bettelkunst. Er macht ihn vor indem er auf Filch zuwankt. Im maomment, wo er an Filch anstösst, schreit dieser entsetzt auf. Peachum hält sofort ein, mustert ihn erstaunt und brüllt plötzlich: E r h a t m i t l e i d ! Sie werden ein einem Menschenleben kein Bettler. So was taugt höchstens zum Passanten. Also ausstattung D! Celia, du hast schon wieder getrunken! Und jetzt siehst du nicht aus den Augen. Nummer hundertsechsunddreissig hat sich beschwert über seine Kluft. Wie oft soll ich dir sagen, dass ein Gentleman keine dreckigen Kleidungstücke auf den Leib nimmt. Nummer hundertsechsunddreissig hat ein nagelneues Kostüm bezahlt. Die flecken, das einzige, was daran mitgefühl erregen kann, waren hineinzubekommen, indem man einfach stearinkerzenwachs hineinbügelte. Nur nicht denken! Alles soll man allein machen. Zu Filch: Zieh dich aus und zieh das an, aber halt es im Stunden!


FILCH. Und was geschieht mit meinen Sachen?
Peachum. Gehören der Firma. Ausstattung E. Junger Mann, der bessere Tage gesehen hat, beziehungsweise dem es nicht an dr Wiege gesungen wurde.
Filch. Ach so, das verwenden Sie wieder? Warum kann ich das nicht mit den besseren Tagen machen?
Peachum: Gehören der Firma. Ausstattung E. Junger mann, der bessere Tage gesehen hat, beziehungsweise dem es nicht an der Wiege gesungen wurde.
FILCH: Ach so, das verwenden Sie wieder ?
Peachum: Wenn du bauchweh hast, und du sagst es, dann berührt das nur widerlich. Im übrigen hast du überhaupt nicht zu fragen, sondern diese Sachen anzuziehen.
Filch: Sinddie nicht ein wenig schmutzig? Da Peachum ihn durchbohrend anblickt. Entshuldigen Sie, bitte entschuldigen Sie.
FRAU PEACHUM: Jetzt mach mal ein bisschen plötzlich, kleiner ich halte dir deine Hosen nicht bis Weihnachten. 13
Filch plötzlich ganz heftig: Aber meine Stiefel ziehe ich nicht aus! Auf gar keinen Fall. Da verzichte ich lieber. Das ist das einzige Geschenk meiner armer Mutter, und niemals, nie, ich mag noch so tief gesunken……14
Frau Peachum: Red keinen Unsinn, ich weiss doch, dass du dreckige füsse hast.
FILCH: Wo soll ich meine Füsse auch waschen? Mitten im Winter! Frau Peachum bringt ihn hinter einen Wandschirm, dann setzt sie sich links und bügelt Kerzenwachs in einem anzug.
Peachum. Wo ist deine Tochter?
FRAU Peachum: Polly?Oben!
Peachum.War dieser Mensch gestern wieder hier? Der immer kommt, wenn ich weg bin!
frau Peachum sei nicht so misstrauisch jonathan, es gibt keinen feineren Gentleman,der Herr Capun hat sehr viel übrig für unsere Polly.
Peachum. so
frau Peachum. und wenn ich nur für zehn Pennies Grips hier habe, dann findet ihn Polly auch sehr nett.
Peachum Celia, du schmeisst mit deiner Tochter um dich, als ob ich Millionär wäre! Sie soll wohl heiraten? Glabst du denn, dass unser Drecksladen noch eine Woche lang geht, wenn dieses Geschmeiss von Kundschaft nur unsere Beine zu Gesicht bekommt? Ein Bräutigam! Der hätte uns doch sofort in den Klauen! So hätte er uns ! der hätte uns doch sofort in den Klauen! So hätte er uns! Meinst du, dass diene Tochter im Bett besser ihr Maul hält als du?
frau Peachum . Du hast eine nete Vorstellung von deiner Tochter!
Peachum: Die schlechteste. Die allerschlechteste. Nichts als ein Haufen Sinnlichkeit!
frau Peachum: Die hat sie jedenfalls nicht von dir.
.......15......
frau Peachum Ins tintenfisch zu einem kleinen Step. hat uns mit Clacéhadnschuhen angefasst.
Peachum: Glacéhandschuh!
frau Peachum: Er hat übrigens wirklich immer Hnadschuhe an, und zwar weisse.
Peachum. So, weisse Handschuhe und einen Stock mit einem Elfenbeingriff, und Gamaschen an den Schuhen und Lackschue und ein bezwingedes Wesen und eine Narb...
frau Peachum. am hals wieso kennst du denn schon wieder?
Filich: herr Peachum könnte ich nicht noch einen tip bekommen, ich bin immer für ein system gewesen,...
Peachum: du kommst heute abend um sechs Uhr, da wird dir ds Nötige beigebracht werden. ...
fünfzig Prozent! -- und jetzt werde ich dir auch sagen, wer dieser Herr mit den Handschuen ist- Mackie Messer! Er läuft die Treppe hinauf in Pollys Schlafzimmer.
frau Peachum : Um Gottes willen ! Mackie Messer! Jesus! komm, Herr Jesus, sei unser Gast! -- Polly ! Was ist mit Polly?
Peachum kommt langsam zurück.
Peachum Polly? Polly ist nicht nach Hause gekommen. Das Bett ist unbrührt.
frau Peachum . Da hat sie mit dem Wohlhändler soupiert. Sicher, Jonathan!
Peachum Gott gebe, dass es der Wollhändler war!
Vor den Vorhang treten Herr.... und singen....

DER ANSTATT-DASS-SONG

1
Peachum
A
nstatt dass
Sie zu Hause bleiben und im warmen Bett
Brauchen sie Spass
Grad als ob man ihnen eine Extrawurst gebraten hätt.
FRAU Peach
um : das ist der Mond über Soho
Das ist der verdammte "fühlst-du- mein- Herz-schlagen"-Text.
Das ist das "wenn du wohin gehst, geh auch ich wohin, Johnny!"
wenn die Liebe anhebt und der Mond noch wächst.
16

2
Peachum
Anstatt dass
Sie was täten, was 'nen Sinn hat und 'nen Zweck
Machen sie Spass
und verrecken dann natürlich glatt im Dreck.
BEIDE
Das ist der Mond über Soho
Was nützt dann dein mond über Soho
Das ist der verdammte "fühls-du- mein- Herz-schlagen"- Text
17

3
TIEF IM HERZEN SOHOS FEIERT DER BANDIT MACKIE MESSER SEINE HOCHZEIT MIT POLLY PEACHUM; DER TOCHTER DES BETTLERKÖNIGS

Leerer Pferdestall

MATTHIAS leuchtet den Stall ab, mit Revolver; Hallo, Hände hoch, wenn jemand hier ist!
MAHEATH tritt ein, macht einen Rundgang auf der Rampe entlang.
MAHEATH . Na, ist jemand da?
MATTHIAS: kein Mensch! heir können wir ruhig unsere Hochzeit feiern.
Polly tritt im Brautkleid ein: Aber das ist doch ein Pferdestall!
MAC. Setz dich einsweilen auf die Krippe, Polly. Zum Publikum: In diesem Pferdestall findet heute meine Hochzeit mit Fräulein Polly Peachum statt, die mir aus Liebe gefolgt ist, um mein weiteres Leben mit mir zu teilen.
Matthias. Viele Leute in London werden sagen, dass das das kühnste ist, was du bis heute untenrommen hast, dass das das kühnste ist, was dur bis heute unternommen hast, dass du Herr Peachums einzigstes Kind aus seinem Hause gelockt hast.
MAC. Wer ist Her Peachum?
MATTHIAS. Er selber wird sagen, dass er der ärmste Mann Londons sei.
POLLY. aber heir kannst du doch nicht unsere Hochzeit feiern wollen? Das ist doch ein gewöhnlicher Pferdestall. 17
Hier kannst du doch den Herren Pfarrer nicht herbitten.
Noch dazu gehört er nicht man uns, Wir sollten wirlich nicht mit einem Einbruch unser neues Leben beginnen, Mac. das ist doch der schönste Tag unseres Lebens.
MAC. Liebes kind, es wird alles geschehen, wie du es wünschest. Du sollst deinen Fuss nicht an einen Stein stossen. Die Einrichtung wird eben auch schon gebracht.
MATTHIAS: Da kommen die Möbel.
Man hört grosse Lastwagen anfahren, ein halbes Dutzden Leute kommen herein, die Teppiche, Möbel, Geschirr usw. schleppen, womit sie den Stall in ein Übertrieben feines Lokal verwandeln.
MAC: Schund.
Die Herren stellen links die Geschenke nieder, gratulieren der Braut, referieren dem Bräutigam.2*
JAKOB: Glückwunsch! Ginger Street 14 waren Leute im ersten Stock. Wir mussten sie erst ausrüchern.
SÄGEROBERT Glückwunsch. Am Strand ging ein Konstabler hops.
MAC: Dilettanten.
EDE. Wir haben getan, was wir konnten, aber drei Leute in Westend waren nciht zu retten. Glückwunsch.
MAC. Dilettanten und pfuscher.
JIMMy . Ein älterer Herr hat etwas abbekommen. Ich glaube aber nicht, dass es etwas Ernstes ist. Glückwunsch.
MAC . Meine Direktive lautete: Blutvergiessen ist zu vermeiden.
Mir wird wieder ganz schlecht, wenn ich darand denke. Ihr werdet nie Geshäftsleute werden! Kannibalen, aber keine Geschäftsleute!
WALTER gennnt Trauerweidenwalter: Glückwunsch. Das Cembalo, meine Dame, gehörte noch vor einer halben stunde der Herzogin und somersetshire.
POLLY -was sind das für Möbel?
MAC . Wie gefallen dir die Möbel, Polly?
POLLY weint: Die vielen armen Leute, wegen der paar Möbel.
MAC . und was für Möbel! schund! du hast ganz recht, wenn du dich ärgerst. Ein Rosenholz- cembalo und dann ein renaissance-Sofa. Das ist unverzeihlich. Wo ist überhaupt ein Tisch?
Sie legen über krippen einige Bretter.
POLLY Ach Mac! Ich bin unglüclich. Hoffentlich kommt wenigstens der Herr Pfarrer nicht.
MATTHIAS Natürlich. Wir haben ihm den Weg ganz genau beschrieben.
WALTER fährt den Tisch vor: Ein Tisch!
MAC da Polly weint: Meine Frau ist ausser sich. Wo sind denn überhaupt die anderen Stühle? Ein Cembalo und keine Stühle! Nur nicht denken. Wenn ich mal Hochzeit feiere, wie oft kommt das schon vor? Halt die Fresse, Trauerweide! Wie oft kommt das schon vor, sag ich, dass ich euch schon was überlasse? Da macht ihr meine Frau von Anfang an unglücklich.
EDE : Liebe Polly -
MAC : haut ihm den Hut vom kopf: "liebe Polly"! ich werde dir deinen Kopf in den Darm hauen mit "liebe Polly", du Dreckspritzer. Hat man so etwas schon gehört, "kuebe Oikky" ! Hast du mit ihr ewa geschlafen?
POLLY . Aber Mac! ......19.....
......20 ...67.....

2.DREIGROSCHEN-FINALE

MAC: Ihr Herr, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müsst ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: Damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsereBravheit liebt
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr's immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein auch armen Leuten
Vom grossen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.

HINTER DER SZENE
Denn wovon lebt der Mensch?
MAC: Denn wovon lebt der Mensch? indem er stündlich
Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst.
Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist.

CHOR
Ihr Heren, bildet euch nur da nichts ein
Der Mensch lebt nur von Missetat allein.

SPELUNKENJENNY
Ihr lehrt uns, wann ein Weib die Röcke heben
Und ihre Augen einwärts drehen kann.
zeurst müsst ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: Damit fängt es an.
Ihr, die auf unserer Scham und eurer Lust besteht
Das eine wisser ein fpr allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr's immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst mss es möglich sein auch armen Leuten
Vom grossen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden

HINTER DER SZENE
Denn wovon lebt der Mensch?
Spelunkenjenny
Denn vovon lebt der Mensch? indem er stündlich
Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frsst
Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich
vergessen kann, dss er ein Mensch doch ist.

CHOR
Ihr Herren, blidet euch nur da nichts ein
Der Mensch lebt nur von Missetat allein!
vorhang .68

DRITTER AKT

7
IN DERESLBEN NACHT RÜSTET PEACHUM ZUM AUFBRUCH:
DURCH EINE DAMONSTRATION DES ELENDES BEABSICHTIGT ER; DEN KRÖUNUNGSZUG ZU STÖREN-


Peachums Bettlergarderoben

Die Bettler bemalen Täfelchen mit Aufschriften, wie: "Mein Auge gab ich dem könig" usw.69
PEACHUM: Meine Herren, in dieser Stunde arbeiten in unseren elf Filialen von Drury Lne bis Turnbridge eintausendvierhundertzweiunddriessig Herren an solchen Täfelchen, wie Sie, um der Krönung unserer Königin beizuwohnen.
FRAU PEACHUM: Vorwärts, vorwärts! Wenn ihr nicht arbeiten wollt, könnt ihr nicht beteln. Du willst ein Blinder sein und kannst nicht einmal ein richtiges K machen? Das soll 'ne Kinderhandschrift sein, das ist ja ein alter mann.
Trommelwirbel:

BETTELER: Jetzt tritt die Krönungswache under das Gewehr, die werden auch noch nicht ahnen, dass sie es heute, an dem shönsten Tag ihres Miltärlebens, mit uns zu tun haben werden.
FILCH herein, meldet: Da kommt ein Dutzend übernächtiger Hühner angetrippelt, Frau PEACHUM. Sie behaupten, sie kriegen hier Geld.
Auftritt der huren.
JENNY Gnädige Frau -
FRAU PEACHUM: Na, ihr seht ja aus wie von der Stange gefallen. Ihr kommt wohl wegen dem Geld für euren Macheath. Also, ihr bekommt gar nicht, versteht ihr, gar nichts.
JENNY Wie dürfen wir das verstehm, gnädige Frau?
FRAU PEACHUM: Mir auf die Bude zu rücken mitten in der Nacht. Drei uhr früh in ein anständiges Haus zu kommen! Ihr solltet euch lieber ausschlfen von eurem Gewerbe. aussehen tut ihr wie gespiene Milch. 70
JENNY So, wir können also unser kontraktliches Honorar dfür, dass wir Herren Macheath dingest gemacht haben, nicht bekommen, gnädige Frau?
FRAU PEACHUM: Ganz richtig, einen Dreck bekommt ihr und keinen Judaslohn.
JENNY. Also, das ist doch die Höhe. Machen Sie das nur nicht mit uns. Das möchte ich Ihnen gesagt haben. Mit uns nicht.
Frau PEACHUM Filch, die Damen wünschen hinausgeführt zu werden.
Filch geht auf die Damen zu, Jenny stösst ihn fort.
JENNY Ich möchte Sie doch bitten, Ihre dreckige Fresse zu halten, sonst könnte es passieren, dasss---
Auftritt Peachum.
PEACHUM: Was ist denn los, du hast ihnen doch hoffentlich kein Geld gegeben, na, wie ist's, meine Damen? Sitzt der Herr Macheath oder sitzt er nicht?
JENNY Lassen Sie mich mit Ihren Hern Macheath in Ruhe.
Dem können Sie nicht das Wasser reichen. Ich habe heute nacht einen Herrn wegehen lassen müssen, dass ich diesen Gentleman an Sie verkauft habe. Ja meine Dmaen, und was glauben Sie, was heute morgen geschah? vor noch nicht einer Stunde, ich hatte mcih eben in den Schlaf geweint, pfiff es, und auf der Strasse stand eben dieser Herr, um den ich geweint hatte, und wünschte, dass ich ihm den Schlüssel herunterwerfe. In meinen Armen wollte er mich die Unbill vergessen Machen, die ich ihm zugefüt habe. Das ist der letzte Gentleman in London, meine Damen. Und wenn unsere Kollegin suky Tawdry jetzt hier nciht mitgekommen ist, dann ist es, weil e von mir noch zu ihr ging, um auch sie zu trösten. 71
PEACHUM:vor sich hin : Suky Tawdry -
JENNY So, jetzt wissen Sie, dass Sie diesem Herrn nicht das Wasser reichen können. Sie niedriger Spitzel.
PEACHUM Filch, lauf schnell zum nächsten Polizeiposten, Herr Machath weilen bei Fräulein Suky Tawdry, Filch ab.
Aber, meine Damen, warum streiten wir? Das Geld wird gezahlt werden, selbstverständlich. Liebe Celia, du solltest lieber gehen und für die Damen Kaffee kochen, als dass du sie hier anpöbelst.
FRAU PEACHUM Im Abgehen:Suk Tawdry! Da steht nun einer fast schon unterm Galgen
Der Kalk ist schon Gekauft, ihn einzukaken
Sein Leben hängt an einem berüchtigen Fädchen
Was hat er noch Im Kopf, der Busche? - Mädchen.
schon unterm Galgen, ist er noch bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Er ist schon sowieso verkauft mit Haut und Haar
Er hat in ihrer Hand den judaslohn gesehn
Und sogar er beginnt nun zu verstehn
Dass ihm des weibes Loch das Grabloch war.
Und er mag wüten gegen sich und toben-
Bevor es Nacht wird, kliegt er wieder droben.
PEACHUM: Vorwärts, vorwärts, ihr würdet einfach in den Kloaken von Turnbridge verkommen, wenn ich nicht in emienm schlaflosen Nächten gerausgebracht hätte, wie man aus eurem Armut einen Penny herausgebracht hätte, wie man aus eure Armut einen Penny herausziehen kann. Aber ich habe herusgebracht, dass die Besitzenden der Erde das Elend zwar anstiften können, aber sehen können sie das Elend nicht. Denn es sind Schwächlinge und Dummköpfe, genau wie ihr. Wenn sie gleich zu fressen haben bis zum Ende ihrer Tage und ihren Fussboden mit Butter einschmieren können, dass auch die brosamen, die von den Tischen fallen, ncoh fett werden, so können sie doch nicht mit gleichmut einen Mann sehen, der vor Hunger umfällt, freilich muss es vor ihren Haus sein, dass er umfällt. 72
Auftritt von Frau PEACHUM: mit einem Tablett voll Kaffeetassen.
Frau PEACHUM: Sie können Morgen am Geschäft vorbiekommen und sich Ihr Geld holen, aber nach der Krönung.
JENNY: Frau PEACHUM: Sie sehen mich sprachlos.
PEACHUM: antreten, wir versammlen uns in einer stunde vorm Buckingham-Palast. Marsch.
Antreten der Bettler.
FILCH stürzt herein; Oikebte! Zu Frau Peachum: Stell die Kapelle zusammen, vorwärts. Und wenndu mich sagen hörst harmlos, verstehst du mich: harmlos-
FRAU PEACHUM harmlos Ich verstehe gar nichts.
PEACHUM: selbstverständlich verstehst du gar nichts. Also, wenn ich sage harmlos- Es klopft an die Tür.
Gott sei Dank, da ist ja das Schlüsselchen, harmlos, dann spielt ihr irgendeine Art von Musik. Los!
FRAU PEACHUM mit Bettlern ab. Die Bettler, bis auf das Mädchen mt der Tafel "Ein Opfe Militäirischer Willkür", verstecken sich mit ihren Sachen hintern rechts hinter der Kleiderstange. Auftritt Brown und Konstabler.
BROWN So, und jetzt wird durchgegeriffe, Herr Bettlers Frund. Gleich mal in Ketten legen, Smith. Ach, da sind ja einige von den reizenden Tafeln. Zum Mädchen: "Ein Opfer militärischer Willkür" sind Sie das?
PEACHUM: Guten Morgen, Brown, guten Morgen, gut geschlafen?
BROWN He?
PEACHUM: Morgen, Brown.72
Brown sagt er das zu mir? kennt er einen von euch? Ich glaube nicht, dass ich das Vergnügen habe, dich zu kennen.
PEACHUM: So, nicht ? Morgen, Brown.
BROWN: Hauen Sie ihm den Hut vom Kopf.
smith tut es.
PEACHUM: Sehen Sie, Brown, nun Sie mal Ihr Weg vorbeigeführt, ich sage vorbei, Brown, da kan ich Sie ja gleich daurm bitten, einen gewissen Macheath endlich hinter Schloss und riegel zu bringen.
BROWN Der mann ist verrückt. Lachen Sie nciht, smith. Sagen Sie mal, Smith, wie ist es möglich, dass dieser notorische Verbrecher in London frei heumläuft?
PEACHUM: weil er Ihr Freund ist, Brown.
BROWN Wer?
PEACHUM: Macki Messer. Ich doch nich. Ich bin doch kein Verbrecher. Ich bin doch ein armer Mensch, Brown. Mich können Sie doch nicht schlecht behandeln. Brown, Sie sehen doch vor der schlimsten Stunde Ihres Lebns, möchten Sie Kaffee? Zu den Huren: Kinder, gebtdoch mal dem Herrn Polizeichef einen Schluck ab, ist doch kein Benehmen. Vertragen wir uns doch alle. Wir halten un s doch alle an das Gesetzt! Das Gesetz ist einzig und allein gemacht zur Ausbeutung derer, die e nicht verstehen oder die es aus nackter Not nicht befolgen können. Und wer don dieser Ausbeutung seinen Brocken abbekommmen will, muss sich streng an das Gesetz halten.
BROWN: So, Sie halten also unsere Richter für bestechlich!
PEACHUM: Im Gegenteil, Herr, im Gegentel! Unsere Richter sind ganz und gar unbestecklich: Mit keiner Geldsumme können sie dazu bestochen werden, Recht zu sprechen!
Zweites Trommelzeichen.
PEACHUM: Abmarsch der Truppen zur Spalierbildung. Der Abmarsch der ärmsten der Armen eine halbe Stunde später. 73
BROWN Ja, ganz recht, Herr Peachum. Abmarsch der Ärmsten der Armen in einer halben Stunde nach Olld baileey ins Gefängnis, in die Winterquartiere. Zu den Konstalern: So, jungens, nun sammelt mal da ein, was da ist. Alles einsmmeln, was ihr an Patrioten heir vorfindet. Zu den Bettlern: Habt ihr schon mals was vom Tiger-Brown gehört? Diese Nacht, Peachum, habe ich nämlich die Lösung gefunden, und ich darf wohl sagen, einen Freund aus Todesnot erretet. Ich räuchere einfach Ihr ganzes Nest aus. Und sperre alles ein wegen- na, wegen was wohl? Na- wegen Strassenbettel. Sie schienen mir doch auzudetuen, dass Sie mir und der königin an diesem Tage die Bettler auf den Hals schicken wollen. Und diese Bettler nehme ich mal fest. Da kannst du was lernen.
PEACHUM: Sehr schön, nur - was für Bettler?
BROWN Na, Diese Krüppel hier. Smith, wir nehmen die Heren patrioten gleich mit.
PEACHUM: Brown, ich kann Sie da vor einer Überteilung bewahren; Gott sei Dank, Brown, dass Sie da zu mir gekommen sind. Sehen Sie, Bown, diese paar Leute können Sie natürlich verhaften, die sind harmlos, harmlos-
musik setzt ein, und zwar spielt sie einige Takte von dem Lied von der unzulänglichkeit voraus.
BROWN Was ist denn das?
PEACHUM: Musik. Sie spielen eben, so gut sie können. Das Lied von der unzulänglichkeit. Kennen Sie nicht? Da können Sie was lernen.74
Songbeluchtung. Auf den Tafeln steht: Das Lided von der unzulänglichkeit menschlichen Strebens

PEACHUM:
Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm nicht aus
Versuch es nur, von deinem kopf
lebt höchstens eine Laus.

Denn für dieses Leben
ist der Mensch nicht schlau genug
Nimals merkt er eben
Diesen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein grosses Licht
Und mach dann noch 'nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug
doch sein höh'res Streben
Ist ein schöner Zug.

Ja, renn nur nach dem Glück
doch renne nicht zu sehr
Den alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchlos genug
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug
.75

PEACHUM: Ihr Plan, war genial, aber unduchführbar. Was Sie heir festnehmen könne, sind ein paar junge Leute, die aus Freude über die krönung ihrer königin einen kleinen Maskenball veranstalten. Wenn die richtigen Elenden kommen - hier ist kein einziger-, sehen Sie, da kommen doch Tausende. Das ist es: Sie haben die ungeheure Zahl der Armen vergessen. Wenn die da nun vor der kirche stehe, das sit doch kein festlicher Anblick. Die Leute sehen doch nicht gut aus. Wissen Sie, was eine Gesichtsrose ist, Brown? Aber jetzt erst hundertzwanzig Gesichtsrosen? Die junge Königin sollte auf Rosen gebettet sein und nicht auf Gesichtsrosen. Und dann diese Verstümmelten am Kirchenportal. Das wollen wir doch vermeiden, Brown. Sie sagen wahrscheinlich, die polizei wird mit uns armen Leute fertig werden. Das glauben Sie ja selbst nicht. Aber wie wird es aussehen, wenn anlässlich der Krönung sechshundert arme Krüppel mit Knütteln niederehauen werden müssen? Schlecht würrde es aussehen. Ekelhaft sieht es aus. Zum Übelwerden ist es. Mir ist ganz schwach, Brown, wenn ich daran denke. Einen kleinen Stuhl, bitte.
BROWN zu smith: Das ist eine Frohung. Sie, das ist eine Erpressung. Dem Mann kann man nichts anhabe, dem Mann kann man im Interess der Öffentlichen Ordnung gar nichts anhaben. Das ist noch nie vorgekommen.
PEACHUM: Aber jetzt kommt es vor. Ich will Ihnen etwas sagen: Der königin von England gegenüber können Sie sich benehmen, wie Sie wollen. Aber dem ärmsten Mann LOndons können Sie nicht auf die Zehen trete, sonst haben sie usgebrownt, Herr Brown.
Brown: Ich soll also Mackie Messer verhaften? Verhaften? Sie haben gut reden. Erst muss man einen mann haben, bevor man ihn verhaften kann.
PEACHUM: Wenn Sie mir das sagen, da kann ich nicht widersprechen. Dann werde ich Ihnen also den Mann besorgen; wir wollen doch sehen, ob es noch Moral gibt. Jenny, wo halten sich der Herr Macheath auf?
JENNY 21 Oxford Street,bei Suky Tawdry.
BROWN Smith, geht sofort nach 21 Oxord Street zu Suky Tawdry, nehmt Macheath fest und bringt ihn nach Old Baiskey. Ich muss inzwischen meine Galurniform anziehen. An diesem Tage muss ich meine Galauniform anziehen. 76
PEACHUM: Brown, wenn er um sechs nicht hängt-
BROWN: Oh, Mac, esging nicht. ab mit kontstablern.
PEACHUM: nachrufend: Haben Sie was gelernt, Bown!
Drittes Trommelzeichen.
Drittes Trommelzeichen. Umorientierung des Afumarschplande. Neue Richtung: Die Gefängnisse von Old Bailey.
Marsch
Bettler ab.77

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau ihn auf den Hut.
Hast du ihn auf den Hut gehaut
Dann wird er vieleicht gut.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug
Darum haut ihn eben
Ruhig auf den Hut.

Vorhang. Vor dem Vorhang erscheint Jenny mit einem Leiekasten und singt den
SALOMO- SONG
JENNY
Ihr saht den weisen Salomo
Ihr wisst, was aus ihm wurd.
Dem Mann war alles sonnenklar
Er verfluchte die Stunde seiner Geburt
Und sah, dass alles eitel war.
Wie gross und weis war Salomo!
Und seht, da war es nocht nicht Nacht
Da sah die Welt die folgen schon
Die Weisheit hatte ihn so weit gebracht;
Beneidenswert, wer frei davon!

Ihr saht die schöne Kleopatra
Ihr wisst, was aus ihr wurd!
Zwei Kaiser ihr zum Raub

Da hat sie sich zu Tod gehurt
Und welkte hin und wurde Staub.
Wie schön und gross war Babylon!
und seht, da war es noch nicht Nacht
da sah die Welt die Folgen schon: Die Schönheit hatte sie so weit gebracht-
beneidenswert, we frei davon! 78

Ihr saht den kühnen Cäsar dann
Ihr wisst, was aus ihm wurd!
Der sass wie 'n Gott auf 'nem Altar
und wurde ermordet, wie ihr eruhrt
Und seht, da war es noch nicht Nacht
Da sah die Welt die Folgen schon
Die kühnheit hatte ihn so weit gebracht.
Beneidenswert, wer frei davon!

Und jetzt seht ihr den Herren Macheath
Der allen Geiszes bar
Er hat uns imerfort beschenkt
und als er leerer Hände war
Wurd er verkauft und aufgehenkt.
Er gab uns siebenfachen Lohn
und seht, jetzt ist es noch nicht Nacht
Da sieht die Welt die Folgen schon:
Verschwenudung hat ihn jetzt so weit gebracht-
Beneidenswert, wer frei davon!

8
KAMPF UM DAS EIGENTUM

Ein Mädchenzimmer in Old Biley
Lucy.

Smith Gnändiges Fräulein, Frau Polly Macheath möchte Sie sprechen.
LUCY Frau Macheath? Führ sie herein
POLLY Guten tag, gnädige Frau. Gnändige Frau, guten Tag!
LUCY Bitte, Sie wünschen?
POLLY Erkennen Sie mich wieder?
LUCY Natürlich kenne ich Sie.
POLLY Ich komme heute, um Sie um entshuldigung zu bitten für mein gestriges Benehmen.
LUCY Natürlich kenne ich Sie.
POLLY Ich habe eigentlich gar keine Entschuldigung für mein gestriges Benehmen ausser- mein eignes Unglück.
LUCY Ja, ja.
POLLY Gnädige Frau, Sie müssen mich entshuldigen. Ich war sehr gereitzt gestern durch Herrn Macheath benehmen Er hätte und doch wirklch nicht in eine solche Lage bringen dürfen, nicht wahr, das könnenSie ihm auch sagen, wenn Sie ihn sehen.79
..... und jetzt, gnädige frau, ich will Ihnen erklären, wie alles kam. Vor zehn Tagen habe ich Herren Macheath zum ersten Mal im Tintenfisch- Hotel gese. Meine mMutter war auch dabei. Fünf Tage Darauf, also ungefähr vorgestern, haben wir uns vermählt. Gestern habe ich erfahren, dass die polizei ihn wegen Mannigfcher Verbrechen sucht. Und heute weiss ich nicht, was kommen wird. Also noch vor Zölf Tagen, gnädige Frau, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich überhaupt einen Manne verfallen könnte,80
pause
LUCY Ich versteh Sie, Fräuleine Peachum.
POLLY: Frau Macheath.
LUCY Frau Macheath.
POLLY: ich habe überigens in den letzten Stunden sehr viel über diesen Menschen nachgedacht. Es ist nicht so einach. Denn sehen Sie, mein Fräulein, mit seinem Benehmen, da er neulich ihnen gegenüber an den Tag legte, muss ich Sie geradezu beneiden. Als ich ihn verlassen musste, allerdings durch meine mama gezwungen, zeigte er nicht die geringste Spur von Bedauern. Vielleicht har er gar kein Herz und anstatt dessen einen Stein in der Brust. Was meinen Sie, Lucy?
LUCY: ja, liebes Fräulein- ich wess allerdings nicht, ob die sculd allein Herrn Macheath zuzumessen ist. Sie hätten in Ihren Kreisen bleiben sollen, liebes Fräulein.
POLLY Frau Macheath.
Lucy Frau Macheath.81-----.......
LUCY sinkt zusammen: Jetzt ist alles ausl
auftritt Frau Peachum.
FRAU PEACHUM Ach, Polly, hier find ih dich zeig dich um, dein Mann ird gehenkt. Das Witwenkleid hab ich mitgebracht.
POLLY zieht sich aus und zieht das Witwenkleid an.
FRAU PEACHUM: Da wirst bildschön ussehen als Witwe. Nun sei aber auch ein bisschen fröhlich.

9
FREITAG MORGEN; 5 UHR: MACKIE MESSER, DER ABERMALS ZU DEN HUREN GEGANGEN IST; IST ABERMALS VON HUREN VERRTEN WORDEN: ER WIRD NUNMEHR GEHENKT.

Die Westministerglocken läuen. Konstabler bringen Macheath gefesselt in den Kerker.
SMITH Hier herein mit ihm Die westminserglocken läuten schond das erste Mal. Stellen Sie sich anständig hin, ich will nicht wissen, wovon Sie so einen kaputten eindruck machen. Ich denke, Sie schämen sich. Zu den Konstablern: Wenn die Glocken von Westminister zum dritten Mal läuten, und das wird um sechs Uhr sein, müssen wir ihn gehenkt haben. Bereitet alles vor.
EIN KONSTABLER . Saemtliche Strassen von newgate sind schon seit einer Viertelstunde so voll, von allen schichten der Bevoelkerung, dass man überhaupt nicht mehr durchkommen kann.
SMITH: Darum müssen wir eben Dampf dahintersetzen. Wenn wir um sehx Uhr ferig sind, können die Leute noch bis sieben Uhr zurechtkommen zum Krönungszug. Marsch jetzt.
MAC Hallo, Smith, wieviel Uhr ist es?
SMITH : Haben Sie keien Augen? Fünf Uhr vier.
MAC : Fünf Uhr vier.
Als Smith eben die Zellntür vom ussen zuschliesst, kommt Brown.
BROWN: Smith fragend, den Rücken zur Zelle: Ist er drin?
SMITH: Wollen Sie ihn sehen?83
BROWN Nein, nein, nein, um Gottes willen, machen Sie nur alles allein. Ab.
MAC: plötzlich in unaufhaltsam leisen Redestrom: Also, Smith, ich will gar nichts sagen, nichts von Bestechung, fürchten Sie nichts. Ich weiss alles. Wenn Sie sich bestechen liessen, müssten Sie zumindest ausser Landes. Ja, das müssten Sie. Dazu müssten Sie so viel habe, dass Sie zeit Ihres Lebens ausgesorgt hätten. Tausend pfund, was? Sagen Sie nichts? In zwanzig Minuten werde ich Ihnen sagen, ob Sie diese tausen Pfund heute mittag noch haben können. Ich rede nicht von Gefühlen. Gehen Sie raus und denken Sie scharf nach. das Leben ist kurz und das Geld ist knapp. Und ich weiss übehaupt noch nicht, ob ich welches auftreibe. Aber lassen Sie herein zu mir, wer herein will.
SMITH Langsam: Das ist ja Unsinn, Herr Macheath. ab.
MAC: Leise und im schnellsten Tempo:
Nun hört die STimme, die um Mitleid ruft
Macheath liegt hier nicht unterm Hagedorn
Nicht unter Buchen, nein, in einer Gruft!
Hierher verschlug ihn des Geschickes Zorn.
Gott geb, dass ihr sein letztes Wort noch hört!
Die dicksten Mauern schliessen ihn jetzt ein!
Fragt ihr denn gar nicht, Freunde, wo er sei?
Ist er gestorben, kocht euch Eierwein.
Solang er aber lebt, steht ihm doch bei!
Wollt ihr, dass seine Marer ewig sei? 11**
Mtthias und Jakob erscheinen im Gang. Sie wollen zu Macheath und werden vom Smith angesprochen.
SMITH. Nanu, Junge, du siehst ja aus wie ein ausgenommener Hering.84
MATHIAS : Seit der Captn weg ist, muss ich unsere Damen schängern, damit sie den Unzurechnungsfähigkeitsparagraphen bekommen! Man muss schn eine rossnatur haben, um in diesem Geschäft durchzuhalten. Ich muss den Captn sprechen.
beide gehen auf Mac zu.
MAC : Fünf Uhr fünfundzwanzig. Ihr habt euch Zeit gelassen.
JAKOB : Na, schliesslich mussten wir....12**
MAC : Schliesslich, schliesslich, ich werde aufgehängt, Mensch.
Aber ich ja gar keine Zeit, mich mit euch heumzugiften. Fünf Uhr achtundzwanzig. Also: wieviel könnt ihr sofort aus eurem Privatdepot ziehen?
Mathias erregt: Liegen wir bei Suky Tawdry anstatt uns dünnezumachen? liegen wir bei Suky Tawdry oder du?
MAC : Halt die Schnauze. Ich liege bald woanders als bei dieser Schlampe. Fünf Uhr dreissig.
JAKOB: Na, da müssen wir es eben machen, Matthias.
SMITH : Herr Brown lässt fragen, was Sie als - Mahlzeit haben wollen.
MAC : Lassen Sie mich in Ruhe. Zu Matthias: Na, willst du oder willst du nicht? Zu Sith: Spargel.
MATTHIAS : Anbrülle dich doc gar nicht an.
MAC : Aber ich brülle dich doch gar nicht an. Das ist doch nur, weil... Also, Matthias, wirst du mich hängen lassen. Wer sagt denn das? aber es ist eben alles. Vierhundert pfund ist eben alles, was da ist. Das wird man doch noch sagen dürfen.
MAC : Fünf Uhr achtundreissig.
JACOB : Na, dann aber Tempo, Matthias, sonst nützt es überhaupt nichts mehr.
MATHIAS : Wenn wir nur durchkommen, da ist ja alles voll. Dieses Gesindel.
MAC : Wenn ihr fünf Minuten vor sechs nicht da seid, dann seht ihr mich nicht mehr. Schreit: Dann seht ihr mich nicht mehr -85
SMITH : Sind ja schon weg. Na wie stet's? Macht Gebärde des Geldzähns.
MAC : Vierhundert.
SMITH : geht achselzuckend ab.
MAC : Vierhunder.
Smith geht achselzuckend ab. 86
MAC nachrufend: Ich muss brown sprechen.
SMITH kommt mit konstablern: Die Seife habt ihr?
Einer: Aber nicht die richtige.
Smith : Ihr werdet doch in zehn Minuten das Ding aufstellen können.
EINER. Aber die Fussklappe funktioniert doch nicht.
SMITH. Ihr werdet doch in zehn Minuten das Ding aufstellen können.
EINER : Aber die Fussklappe funktioniert doch nicht.
SMITH . ES MUSS GEHEN; ES HAT DOCH SCHON ZUM ZWEITEN mAL GELÄUTET:
MAC singt:
jetzt kommt und seht, wie es ihm dreckig geht
jetzt ist er wirklich, was man pleite nennt
Die ihr als oberste Autorität
Nur eure schmierigen Gelder anerkennt
Seht, dass er euch nicht in die Grube fährt!
Ihr müsstet mit ihr über ihn was sprechen
Wie Schweine einens hinterm anderen laufen
Ach, seine Zähne sind schon lang wie REchen.
Wollt ihr, dass seine Marter ewig währt?
SMITH : ich kann Sie doch nicht hereinlassen. Sie haben erst Nr. 16. Sie sind ja noch gar nicht dran.
POLLY : Ach, was heisst das, Nr. 16. Sind Sie doch kein Bürokrat. Ich bin die Frau, ich muss ihn sprechen.
SMITH Aber höchstens fürn Minuten.
POLLY : Was heisst das, fünf Minuten! Das ist ja ganz unsinnig. Fünf Minuten ! Das kann man doch nicht so sagen. Das ist doch nicht so einfach. Das ist doch ein Abschied für ewig. Da gibt es doch eminent viel zu besprechen zwischen Mann und Frau.. Wo ist er denn?
SMITH : Na, sehen Sie ihn denn nicht?
POLLY: Ja natürlich. ich danke schön.
MAC : Polly!
POLLY : ja, Mackie, ich bin da.
MAC : Ja natürlich!
POLLY : Wie gehts dir denn ? bist du sehr kaputt? Es ist schwer!
MAC : ja, was wirst du denn jetzt überhaupt machen? Was wird denn aus dir!
POLLY Weisst du, unser Geschäft geht sehr gut. Das wäre das wenigste, Mackie, bis du sehr nervös? ... Was war denn eigentlich dein Vater? Du ast mir soviel noch gar nicht erzählt. Ich verstehe das gar nciht. Du warst doch immer ganz gesund eigentlich-
MAC : Du, Polly, kannst du mir nicht herashelfen?
POLLY : Ja natürlich.
MAC : Mit Geld natürlcih. Ich habe da mit dem Aufsteher....
POLLY Langsam: Das Geld ist nach Southampton abgegangen.
MAC : Und da hast dur keines?
POLLY : Nein, da habe ich nichts. Aber weisst du, Mackie, ich könte zum Beispiel mit jemand reden- ich könnte sogar die Königin persönlich vielleicht fragen. Polly bricht zusammen. Oh, Mackie!
SMITH : Polly wegziehend: Na, haben Sie jetzt Ihre 1000 pfund zusammen?
POLLY : Alles Gute, Mackie, lass es dir gut gehen und vergiss mich nicht! ab.
BROWN : erscheint und tritt zu Smith: Smith, was will er von mir?
Das ist gut, das Sie mit dem Tisch auf mich gewartet haben. Wir wollen ihn gleich mit hineinnehmen, wenn wir zu ihm gehen, damit er sieht, was für eine Gesinnung wir gegen ihn haben. Sie treten beide mit dem Tisch in die Zelle.
SMITH Ab: pause. Hallo, Mac. Da sind die Spargel. Willst du nicht ein wenig zu dir nehmen?
MAC :bemühen Sie sich nicht, Herr Brown, es gibt andere Leute, die mir die letzten Ehren erweisen.**13/ 88
BROWEN Ach, Mackie!
MAC: Ich bitte um die Abrechnung! Sie erlauben, dass ich währendessen esse. Es ist schliesslich mein letztes Essen. ISST:
BROWN : Mahlzeit. Ach, Mac, du triffst mich wie mit einem glühenden Eisen.
MAC. die Abrechnung, Herr, bitte, die Abrechnung, keine sentimentalitäten.
BROWN : Zieht seufzend ein kleines Büchelein aus der Tasche: Ich habe sie mitgebracht, Mac. hier ist die abrechnung vom letzten Halbjahr.
MAC : schnedend: Ach, Sie sind nur gekommen, um Ihr Geld hier noch herauszuholen.
Brown . aber du weisst doch, dass das nciht so ist....
MAC : Bitte, Sie sollen nicht zu kurze kommen. Was schulde ich Ihnen? Aber, bitte, legen Sie spezifizierte Rechnung ab. Das leben hat mich misstrauisch gemacht.. Gerade Sie werden das am besten verstehen können.
BROWN : Mac, wenn du so prichst, kann ich gar nichts denken.
man hört hinten schweres klopfen.
STIMME SMITH' So, das hält.
MAC : Die abbrechnung brown.
BROWN: Also bitte - wenndu durchaus willst, da sind also erstens die Summen für die Ergreifung von Möardern, die du oder deine Leute ermöglicht haben. Du hast von der Regierung ausbezahlt bekommen imm ganzen...
MAC : Für drei Fälle á 40 pfund, macht 120 pfund. Ein Viertel für Sie würde also 30 pfund, macht 120 pfund. Ein Viertel für Sie würde also 30 pfud betragen, welche wir Ihnen also schulden.
BROWN : Ja- ja- aber weiss wirklcih nicht, Mac ob wir die letzten Minuten...
MAC Bitte, lassen Sie doch dieses Gewäsch, ja? 30pfund. Und für den in Dover 8 Pfund.
BROWN : Wieso nur 8 Pfund, da war doch...
MAC : Glauben Sie mir oder glauben Sie mir nicht? Sie bekommen also aus den Absclüssen des letzten halben jahres 38 Pfund. 89
BROWN Laut aufweinend: Ein ganzes Leben ... habe ich dir...
BEIDE Alles von den Augen abgelesen.
MAC : Drei Jahre in Indien - George war darunter und Jim war dabei -, fünf Jahre in London, und das ist der Dank. Indem er andeutet, wie er als Gehängter aussehen wird:
Hier hängt Macheath, der keine Lus gekränkt.
Ein falcher Freund hat ihn am Bein gekriegt.
An einem klafterlangen Strick gehängt
spürt er am Hals, wie schwer sein Hintern wiegt.
BROWN : Mac, wenn du mir so kommst... Wer meine Ehre angreift, greift mich an. Läuft wütend aus dem käfig.
MAC : Dein Ehre...
BROWN: ja, meine Ehre. Smith, anfangen! Leute hereinlassen!
Zu Mac: Entshuldige mich, bitte.
SMITH rasch zu Machaeath: Jetzt kann ich Sie noch wegbringen, aber in einer Minute nicht mehr. Haben Sie das Geld zusammen?
MAC : Ja wenn die jungens zurück sind.
SMITH : Die sind nicht zu sehen. Aslo Erledigt.
Polly, Lucy, di Huren, Der pfarrer, Matthias und Jakob. 89
JENNY : Man hat uns nicht hereinlassen wollen. Aber ich habe ihnen gesagt: wenn ihr eure Derekkübel von köfpen nicht wegtut, dann werdet ihr die Spelunkenjenny schon kennenlernen-
PEACHUM : Ich bin sein Schwiegervater. Bitte um Verzeihung, welcher von den Anwesenden ist heir Herr Machaeath?
MAC : stellt sich vor : MACHEATH
peachum vorbei am Käfig, stellt sich wie alle Nachfolgenden rechts auf: Das Geschick, Herr Macheath, hat es gefügt, dass Sie, ohne dass ich Sie kenne, mein Schwiegersohn sind. Der Umstand, der mich Sie zum ersten Mal sehen lässt, ist ein sehr trauriger. Herr Macheath, Sie hatten einst weisse Glacehandschuhe, eine Stock mit einem Elfenbeingriff und eine Narbe am Hals und verkehrten im Tintenfisch-Hotel. Übriggeblieben ist Ihre Narbe, wleche wohl dn geringsten Wert unter Ihren Kennzeichen besass, und Sie verkehren nur mehr in käfigen und absehbar bald nirgends mehr....
Polly geht weinend am Käfig vorbei, stellt sich rechts auf.
90
MAC : Was für ein hübsches Kleid du anhast.
Matthias und Jokob kommen am Käfig vorbei, stellen sich rechts auf.
MATTHIAS : Wir konnten nciht durchkommen, wegen des grossen Andrangs. Wir sind so gelaufen, dass ich für Jkob einen Schlaganfall befürchten musste. Wenn dur unsnicht glaubst...
MAC : was sagen meine Leute? Haben sie gute Plätze?
MATTHIAS : Sehen Sie, Captn, wir dachten, Sie verstehen und. Sehen Sie, eine Krönung, das ist ja auch nicht alle Tage. Die Leute müssen verdienen, wenn sie können. Sie lassen gruessen.
JAKOB: Herzlichst!
FRAU PEACHUM: tritt an den Käfig, stellt sich recht auf : Herr Macheath, wer hätte das gedacht, als wir daals vor einer Woche im Tintenfisch-Hotel einen kleinen Step tanzten.
MAC : Ja, einen kleinen Step.
FRAU PEACHUM : Aber die gieschichte sind grausam.
BROWN hinten zum Pfarrer: Und mit diesem Menschen habe ich an Aserbaidahan Schulter an Schulter im heftigen Feuerkampf gestanden.
JENNY kommt an den Käfig: Wir in Drury Lne sind gnaz ausser uns. Kein Mensch ist zur Krönung gegangen. alle wollen dich sehen. Stellt sich nach rechts auf.
MAC : Mich sehen.

SMITH : Na, also los. Sechs Uhr. Lässt ihn aus dem Käfig.
MAC : Wir wollen die Leute nicht warten lassen. Meine Damen und herren. Sie sehen den untergehender Vertreter eines untergehenden Standes. Wir kleinen bürgerlichen Handwerker, die wir mit dem biederen Brecheisen an den Nickelkassen der kleinen Laden besitözer arbeiten, werden von den Grossunternehmern verschlungen, hinter denen die Banken tehen. Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Ausstellung eined Mannes? Mitbürger, hiermit verabschiede ich mich von euch. Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind. Einige von Ihnen sind mit sehr nahegestanden. Dass jenny mich angegeben haben soll, erstaunt mich sehr. Es ist ein deutlicher Beweis dafür, dass die Welt sich gleichbleibt. Das Zusammentreffen einiger unglücklicher Umstände hat mich zu Fall gebracht. Gut - ich falle.
BABLLDE; IN DR MACHEATH JEDERMANN ABBITTE LEISTET
Ihr Menschenbrüder, die ihr nach uns lebt
Lasst euer Herz nicht gegen uns verärten
Und lacht nicht, wenn man uns zum Galgen hebt
Ein dummes Lachen hinter euren Bärten.
Und flucht auch nicht, und sind ir auch gefallen
Seid nicht auf uns erbost wie das Gericht:
Gesetzten Sinnes sind wir alle nicht-
Ihr Menschen, lasset allenLeichtsinn fallen
Ihr Menschen, lasset allen Leichtsinn fallen
Ihr Menschen lasst euch uns zur Lehre sein
Und bittet Gott, ermöge mir verzeihn.

Der Regen wäscht uns ab un d wäscht uns rein
Und wäscht das Fleisch, da wir zu gut genährt
Und die zuviel gesehn und nicht begehrt:
Die Augen backen uns die Raben ein.
Wir haben wahrlich uns zu hoch versteigen
jetzt hängen wir hier, wie aus Übermut
Zerpickt von einer gierigen Vögelbrut
Wie pferdeäpfel, die am Wege liegen.
Ach Brüder, lasst euch uns zur Warnung sein
Und bittet Gott, er möge uns verzeihn.

…….
…….
SMITH : Bitte, Herr Macheath.
FRAU PEACHUM : polly und Lucy, steht eurem Manne bei in seiner letzten Stunde.
MAC : Meine Damen, was auch immer zwiwhen uns…
SMITH - führt ihn ab: Vorwärts!92
Gang u Galgen
Alle ab durch Tpre links. Diese Türen sind in den Projektionensflächen. Dann bekommen auf der anderen seite von der Bühne alle mit Windlichtern wieder herein. Wenn Maceath oben auf dem Galgen steht, spricht Peacum.93

PEACHUM
Verehrtes Publikum, wir sind soweit.
und herr Macheath wird aufghängt.
Denn in der ganzen Christehheit
Da wird dem Menschen nicht geschekt.

Damit ihr aber man nicht denkt
Das wird von uns auch mitgemacht
Wird Herr macheath nicht aufgehängt
Sodern wir haben uns einen anderen Schluss ausgedacht.

Damt wenigstens in der Oper seht
Wie einmal Gnade vor Racht ergeht.
und darum wird, weil wir's gut mit euch meinen
Jetzt der reitende Bote des Königs erscheinen.

Auf den Tafeln steht: "auftauchen des reitenden Boten".93

3. DREIGROSCHEN-FINALE

CHOR
Horsch, wer kommt!
Des königs reitender Bote kommt!
Hoch zu Ross erschint Brown als reitender Bote.
BROWN: Anlässlich ihrer Krönung befiehlt die Königen, dass der Captn Macheath sofort freigelassen wird.
Alle jubeln.

Gleichzeitig wird er hiermit in den erblichen Adelstand erhoben jubeln und ihm das Schloss Marmarel sowie eine Rente vo zehntausen pfund bis zu seinem lebensende überrecht. De anwesenden Brautpaaren lässt die Königen ihre könglichen Glückwünsche übersenen.
MAC: Gerettet, gerettet! Ja, ich fühle es, wo die Not am grössten, inn die Hilfe am nächsten.
POLLY Gerettet, mein lieber Mackie ist gerettet. Ich bin sehr glücklich.
FRAU PEACHUM : So wendet alles sich am Ende zum Glück. So leicht und friedlich wäre unser Leben, wenn die reitenden Boten des königs immer kämen.
PEACHUM : Drum bleibt alle stehen, wo ihr steht, und singt den Choral der Ärmsten der Armen, deren schwiriges Leben ihr heute dargetllt habt, denn in Wirklichkeit ist gerade ihr Ende schlimm. Die reitenden Boten des Königs kommen sehr selten, und die getreten werden treten wieder. Darum sollte man das Unrecht nicht zu sehr verfolgen. Projektion: Text der nachfolgenden Strophe:
Alle singen zur Orgel nach vorn gehend.
Verfolgt das Unrecht nicht zu sehr, in Bilde
Erfriert es shon vom selbst, denn es ist kalt.
Bedenkt das Dunkel und die grosse kälte
In diesem Tale, das von Jammer schallt.
ende

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