Leben im unendlichen Winter /glücklich zu werden
Der Winter/ The winter/ Al-Schitaauu

 

Inuit Home
 

Das Jahr1910 stellt einen Wendepunkt im Schicksal der Copper Inuit dar. Vorher hatten sie ein Leben in freiheit geführt, unberührt von der westlichen Zivilisation und deren Handel.
Nach 1910 kamen Besucher, die nicht mehr gingen.

Der Jäger- die Hunden - die Schlitten- der geiste des Bären - Füchse.

An diesem Abend sahen sie die Bären zum 1. Mal. Er ging sehr langsam, die Nase im Wind, und bewegte sich von der Küste weg. Der Jäger hielt seine Hunde zurück, und sie schauten ihm nach, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Drei weisse Füchse folgten dem riesigen Tier in respektvollem Abstand. Er glaubte seinen Grossvater in diesem grossen weissen Bären wieder erkannt zu haben. Der majestätische Gang und die ruhige Kraft das konnte nur er sein. Er würde auf den Bären warten: Wenn die Seele seines Grossvaters tatsächlich in ihm war, dann würde ihn der Bär früher oder später aufsuchen.
Er trieb sein Gespann Tag für Tag so lange vor sich her, bis gerade noch so viel Licht am Himmel war, dass sie ihr Schneehaus bauen und sich für die Nacht einrichten konnten. An diesem Tag entschloss er sich, das Lager schon am hellen Mittag aufzuschlagen, und er baute sein Schneehaus unten im Schutz eines steilen Felshangs auf, damit der Bär sie nicht sehen oder riechen konnte. Am nächsten Morgen überliess er seine Frau fast ganz die die Aufgabe, den Schlitten zu lenken. Er ging neben ihr her und suchte den Horizont mit den Augen ab, während

er nach Spuren und Zeichen im Eis Ausschau hielt und auf die Stimme seine Grossveaters im Wind lauschte. Dann erspähten sie die drei Füchse, die sie schon am Tag zuvor gesehen hatten. Sie schienen sehr übermütig zu sein, trotteten stolz dahin schnappten spielerisch nach einander; sie hatten offensichtlich eine gute Mahlzeit gehabt. Bald kreuzte der Schlitten die Spur des Bären, und als sie eine Felsnase um rundeten, kam der Bär selbst in Sicht. Er ging auf den Strand einer kleinen Bucht zu, wo er sicherlich draussen in der Sonne schlafen wollte. "Die Seele meines Grossvaters ist in ihm", dachte er. "Er suchte Frieden."
Der Jäger liess seine Hunde los, sobald er sicher war, dass der Bär ihre Anwesenheit bemerkt hatte. Er hatte Angst, dass sein Hund verletzt werden konnte. Er sprang wild herum und kam ihm vielleicht zunahe. Doch der Jäger wusste, dass die Hunde den Bären ablenken würden. Er konnte sich Zeit lassen. Er ging langsam vorwärts, die Waffe hoch erhoben und so geräuschlos wie möglich, obwohl der Bär ihn ganz deutlich sehen konnte. Da kam der Bär auf ihn zu, von der Seele seines Grossvaters zu ihm gesandt, und richtete sich auf seinen Hinterbeinen auf, um ihn armseligen Speer mitten ins Herz zu empfangen. Und er blieb aufrecht stehen, stöhnende, und hieb seine riesigen Pranken in die Luft in
dem Versuch, den Jäger zu treffen. Die Hunde bellten und heulten, sprangen vor und zurück, während sie das riesige Tier reizten. Sie blieb angsterfüllt beim Schlitten stehen. Der Jäger riss seinen Speer aus der Brust des Bären heraus und stiess ihn erneut in sein Herz, tiefer noch diese Mal - zweimal, dreimal. Der Bär stürzte aufs Eis. Er stand über ihm und sah ihm beim sterben zu. Die Hunde, die plötzlich still waren, schauten ebenfalls. In den Augen des Bären sah der Jäger die Seele seines Grrossvaters, und wie sie davon schlüpfte. Er zog seine Harpune heraus und steckte sie in den Schnee, so dass die Spitze in die Luft zeigte. Die Seele hing jetzt daran und würde noch einpaar Tage dort bleiben.
Beide schenkten dem Bären zum Dank einen kleinen Pfeil und Bogen, dann zogen sie ihm die Haut ab. Die drei Füchse schauten aus einiger Entfernung zu. Wenn die Menschen weg waren, würden sie zurückkommen. Noch einmal würde sie der Bär mit einer Mahlzeit vorsorgen.
Sobald sie mit der Arbeit fertig waren brachen sie auf und marschierten schweigend und nachdenklich weiter. Er war müde, und die Hunde bewegen sich langsam, der Schlitten war jetzt schwer beladen, denn die Bärenhaut und ein grosser Teil des Fleisches waren dazugekommen. In zwei oder drei Tagen würden sie in Kanghiryuak sein.
 
 



Es war nicht das erst Mal, dass der Jäger hungrig war. Fast jedes Jahr in der kältesten, dunkelsten Zeit des Winters, wenn tagelang furchtbare Schneestürme tobten, lernten die Menschen die Schreckendes Hungers kennen.

Im Winter wurden die Hunde ins Haus gerufen und mit übrig gebliebenen Essenresten gefüttert oder mit Lampen-blubberstreifen, aus denen das meiste Öl herausgeschmolzen war. In Zeiten des Überflusses be-kamen sie auch Fleisch und Innereien und gelegentlich ein Stück Robben-haut mit etwas Blubber daran. Wenn die Zeiten hart waren, mussten sie als erste darben. Denn "Hunde sind mehr daran gewöhnt, ohne Essen auszu-kommen", wie ein Mann es ausdrüc-kte, "sie können es besser aus-halten und ausserdem haben wir das Sagen…"

Mit Unterstützung seiner Frau konnte ein Mann ein Schneehaus in weniger als einer Stunde fertigstellen. Natürlich wurde ein Haus um so sorgfältiger gebaut, je länger es bewonht werden sollte. Nach jeden Blizzard verlängerte der Hausbesitzer an allgemeinen den Eignagstunnel, um ihn wetterbe-ständiger zu machen.


 






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